• Gunnar Heinsohn und FAGULON

Wie China Afrika leise erobert



Während die westlichen Länder mit rund 50 Mrd. Euro jährlich seit langem vergeblich versuchen, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Afrikas voranzubringen, geht China einen anderen Weg. Sie lassen sich nicht von den afrikanischen Kleptokratien und ihren westlichen Beratern durch wohlklingende Konzepte Geld aus der Tasche ziehen, was dann auf Schweizer Konten landet. Die Chinesen erobern Afrika leise durch riesige Investitionen und deren Umsetzung durch eigene Leute. Die Afrikaner sind dabei gelegentlich Hilfskräfte. So entstehen autarke chinesische Wirtschaftsinseln.


Ob die Machthaber brutal oder inkompetent sind, interessiert die Chinesen nicht: Sie müssen nur stillhalten. Das tun sie auch, wenn noch ein wenig Geld für sie abfällt. Zudem müssen sie sich nicht genervt die Moralpredigten der westlichen Entwicklungshelfer oder Kreditgeber anhören. All dies macht sie sehr kooperativ. Gunnar Heinsohn hat erklärt, warum es den Chinesen so einfach gelingt, riesige Mengen von Arbeitskräften nach Afrika und in andere Regionen zu entsenden:


Zitat:

"Als zusätzlicher demografischer Nachteil Chinas gilt sein Männerüberschuss aufgrund von höheren Abtreibungsraten für weibliche Föten oder gar durch Tötung weiblicher Neugeborener. Das Abendland ruht auf zwei jüdischen und zwei griechischen Pfeilern. Vom Judentum kommen Lebensheiligkeit und Eingottglaube, von den Griechen Eigentum und Einehe.


Diese Prinzipien bestimmen auch das Völkerrecht und sind insofern heute für die gesamte Menschheit gültig. In China jedoch wird das Kindestötungsverbot erst im Ehegesetz von 1950 allgemeines Recht. Unter dem Regime der Einkindpolitik kommt dann die uralte Praxis wieder blutig zum Durchbruch. Weil das Verbot so jung ist, mag seine Tabuisierung weniger ausgeprägt sein als in Europa.


Von den überzähligen jungen Männern wird Schwermütigkeit oder Aggression aufgrund des Fehlens potenzieller Ehefrauen erwartet. Realiter führt die Situation jedoch dazu, dass China jederzeit aus rund 15 Millionen Männern zwischen 25 und 40 Jahren (1 Million von jährlich ca. 16,5 Millionen Neugeborenen bis 2017) erwartungsfreudige Teams vom Ingenieur bis zum Vorarbeiter für den Einsatz in der Fremde gewinnen kann.


Rund 600 000 überwiegend männliche Chinesen sind allein in Afrika aktiv. Sie können also Gewinne machen und Lebensfreude gewinnen, wo Europäide mangels Personals gar nicht erst antreten. Die Geschlechterdisparität ist mithin nicht ausschließlich eine Belastung, sondern zugleich ein Pfund, mit dem gewuchert werden kann. Das gilt selbstverständlich auch fürs Militär."

Zitat aus: Gunnar Heinsohn, Wettkampf um die Klugen. Kompetenz, Bildung und die Wohlfahrt der Nationen. Orell Füssli Verlag, 2019, Seite 75