• Matthias Weik, Marc Friedrich und FAGULON

Der Crash ist die Lösung



Diese Voraussagen sind noch nicht eingetreten, obwohl sie schon 6 Jahre alt sind und eigentlich zwingend erschienen. Der Grund sind die immer weiter aufgeblasenen Geldmengen und Verzögerungsstrategien, mit denen versucht wird, das vermutlich Unaufhaltsame aufzuhalten. Dazu kommt das Credo der Finanzspekulanten: "Man muss tanzen, solange die Musik spielt." Allerdings gibt nun immer mehr Fachleute und Bücher, die genau die gleichen Analysen vorbringen, die den nachfolgenden Schlussfolgerungen zugrunde lagen. Allerdings erstaunt es immer wieder, dass auch hier das vereinnahmende Wörtchen "wir" ständig gebraucht wird, um Fehler zu benennen. Nein, "wir" sind es nicht, die diese Entwicklungen zu verantworten haben, sondern eine sehr kleine Gruppen von Personen in Wirtschaft und Politik, auf die man zu Recht öffentlich mit dem Finger zeigen sollte.


Zitat 1: "Bei der nächsten Krise ist eine nochmalige Stabilisierung des Finanzsystems so gut wie ausgeschlossen. Die aufgestauten Risiken sind einfach zu groß, als dass da noch was zu »retten« wäre. Schon jetzt haben etliche »Krisenstaaten« mit epochalen Wirtschaftseinbrüchen, mit Rekordarbeitslosigkeit, maroden Banken und verheerender Staatsverschuldung zu kämpfen. Viel mehr, als den Bürgern auch noch das Wasser abzudrehen und das Atmen zu besteuern, bliebe ihnen dann nicht.

Wir haben zu Beginn gezeigt, warum unser heutiges Finanzsystem eine mathematisch begrenzte Lebensdauer hat. Sein finaler Kollaps kann lediglich verzögert werden. Darum sagen wir: Der Crash ist die Lösung. Er ist sinnvoller als jeder scheinbar schonende Aufschub. Wir sollten besser heute als morgen den »Stecker« ziehen und den Kollaps des Finanzsystems wenigstens kontrolliert herbeiführen. Der zügellose Turbokapitalismus ist am Ende. Es erfordert Mut und Weitsicht, um freiwillig eine radikale Trendumkehr herbeizuführen. Doch alles andere wäre Selbstmord auf Raten - aus Angst vor dem Tode."...


"Wir wirtschaften mit einem Papier- und Schuldgeldsystem ohne jegliche Deckung. Weder Gold und Silber, noch die Menge der Waren und Dienstleistungen, noch strikte finanzpolitische Regeln limitieren heute die »Produktion« von Geld und Kredit."...


"Unser Finanz- und Wirtschaftssystem erzwingt permanentes exponentielles Wachstum. Es gibt Prozesse in der Natur, deren Verlauf sich einer Exponentialfunktion zumindest annähert (radioaktiver Zerfall, Populationswachstum von Mikroorganismen). In jedem denkbaren Wirtschaftssystem sind aber alle realen Grundgrößen begrenzt (Arbeit, Ressourcen, Bedürfnisse, Produktionskapazitäten, Transportmöglichkeiten). Exponentielles Wachstum von Geld und Kapital kann diese »Grenzen des Wachstums« letztlich nicht aushebeln. Wächst die Geldmenge daher exponentiell, produziert sie entweder Inflation. Oder gigantische Spekulationsblasen anstelle sinnvoller Investitionen."...


Zitat 2: "Wie man unsere heutige Wirtschaftsordnung auch immer nennen möchte, die Bezeichnung „Kapitalismus“ wird ihr unseres Erachtens nicht mehr gerecht. Eher leben wir in einem seltsamen Mischsystem von Etatismus, Interventionismus und Turbokapitalismus – alles mit einem kräftigen Schuss Planwirtschaft."...


Zitat 3: "Unser Finanzsystem funktioniert so lange, wie die Schuldner ihre Zinsen zahlen können. Das aber können immer weniger von ihnen - seien es Länder, Städte, Kommunen, Unternehmen oder Privatpersonen. Unser Finanzsystem forciert die Umverteilung von fleißig nach reich. Bereits heute besitzen die 85 reichsten Menschen des Planeten ebenso viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Sind die Schuldner komplett ausgepresst und hat sich das gesamte Kapital bei einigen wenigen angesammelt, ist das Spiel aus. Selbst diejenigen, die klug genug waren, sich nicht zu verschulden, werden über Inflation, Steuererhöhungen, Sonderabgaben, Zwangsanleihen oder offene Enteignung - wie im März 2013 in Zypern - zur Kasse gebeten werden. Sollten alle Stricke reißen, folgen als finale Maßnahmen Geldentwertung und Währungsreform."


"Leider lernen die Menschen nur selten aus der Geschichte. Sogar aus ihrer eigenen Erfahrung lernen sie nur unwillig. Am ehesten lernen wir aus Fehlern, Leiden und Katastrophen. Erst wenn der Leidensdruck hoch genug ist, scheinen wir bereit zu sein, nachhaltig etwas zu verändern. Daraus ergibt sich auch, dass es in der Geschichte der Zivilisation vor allem Krisen waren, die die Menschheit vorangebracht haben. Auch deshalb ist der Crash die Lösung. Der Zusammenbruch unseres völlig überdehnten und falsch konstruierten Finanzsystems ist damit genau das, was der Ökonom Joseph Schumpeter einst den »Prozess der schöpferischen Zerstörung« nannte. Dass das Bessere stets des Guten Feind ist - kein System hat diese Volksweisheit mehr zu seiner Geschäftsgrundlage gemacht, als der viel gescholtene Kapitalismus. Wir befürchten jedoch, dass auch dieses Mal das notwendige Umdenken nicht freiwillig stattfinden, sondern durch ein katastrophales Ereignis erzwungen wird."


Matthias Weik und Marc Friedrich, Der Crash ist die Lösung. Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten. Eichborn Verlag, 2014, Seite 299-300, 302 und 304-305