• Marc DeSargeau und FAGULON

Die Qualen vor Wahlen (8): Das ängstliche Rudel passiver Lügner



Der Hintergrund dieses Textes:

Es handelt sich um gekürzte Zitate aus dem Buch „Die Religion der Überkompensationen“ von Marc DeSargeau, erschienen im August 2021 im FAGULON-Verlag. Das ist kein Sachbuch, sondern eine literarische „Faction“, also eine Verbindung von Realitätsbeschreibung und literarischer Erfindung. Zur Anregung der eigenen Meinungsbildung werden die Ansichten der zwei Protagonisten des Buches gegenübergestellt. Der fiktive Bundesfinanzminister Prof. Dr. Jan Mayerhof war charismatischer Hoffnungsträger, der erst zwei Jahre vor seinem mysteriösen Tod von der Weltbank in die deutsche Politik wechselte. Kurz zuvor hielt er die hier zitierten Geheimreden. Um der Diskussion der im Internet verbreiteten Transkripte dieser Reden etwas entgegen zu setzen, wurde der fiktive „Spin Doctor“ Lothar Müller beauftragt, die jeweils passende, politisch korrekte Gegenpropaganda zu entwerfen. Beide Texte werden hier gegenübergestellt, so dass man sich leicht entscheiden kann, welcher Meinung man sich anschließen möchte.


Ausschnitt aus einer Rede des fiktiven Finanzministers Prof. Mayerhof:

Die „politisch korrekte“ Selbstzensur als Folge von Existenzangst und gefiltertem Halbwissen vieler Journalisten


Nachdem heute Vormittag meine Darstellung von Beispielen der Religion der Überkompensationen (RELOCOMP) in ihren Diskussionsbeiträgen durch viele weitere Beispiele gefährlicher und fanatischer Wahrnehmungsverzerrungen der politischen und wirtschaftlichen Realität angereichert wurde, möchte ich in meinem Nachmittagsvortrag auf einige der psychologischen Mechanismen eingehen, welche in Politik und Medien zu dieser Entwicklung geführt haben. Ich verwende nachfolgend oft den neuen Begriff APALI (Anxious Pack of Passive Liars, d.h. ängstliches Rudel passiver Lügner), der mir sehr treffend erscheint. Das ängstliche Rudel passiver Lügner ist nicht nur bei "politisch korrekten" Journalisten anzutreffen. Genau die gleichen psychologischen Mechanismen der Kombination von Angst und Schwarmverhalten finden sich auch in der Politik, Religion, Kultur, beim Marketing und in der Finanzwirtschaft.


Die stets ähnliche Methodik passiver Lügen, die APALI-Medien oder -Politiker anwenden, möchte ich folgendermaßen beschreiben: Ein komplexes Gefüge von Sachverhalten und Prozessen wird in einem ersten Schritt so vereinfacht, dass nur noch wenige Strukturen übrigbleiben, also die erste Stufe einer passiven Lüge bereits erreicht ist. Dann erfolgt meistens eine Rahmenverschiebung, in welcher dieser bearbeite Realitätsausschnitt in den gewünschten Zusammenhang gerückt und mit einer künstlichen Beleuchtung eingefärbt wird. Jetzt kommen die bei jedem Menschen vorhandenen individuellen Wahrnehmungsfilter zum Einsatz. Das so entstehende unscharfe Bild wird dann automatisch durch die Assoziationen und Erinnerungen ergänzt, die wir alle ständig unterbewusst hinzufügen. Der passive Lügner hat also nicht bewusst eine falsche Information verbreitet. Er muss sich den Vorwurf einer Lüge nicht gefallen lassen. Vielmehr hat Methoden verwendet, welche die Lügen im Kopf der anderen entstehen lassen.


Auf der Grundlage dieser Methode können Berichte oder politischen Reden veröffentlicht werden, die als Kopiervorlage für unzählige Abschreiber dienen. Durch die massenweise Wiederholung der gleichen Aussagen durch das journalistische und/oder politische Rudel wird nun eine Welle der "veröffentlichten" Meinung aufgeschaukelt, die schließlich den Eindruck erzeugt, alle Menschen seien mehr oder weniger der gleichen Ansicht. So wird die Illusion der "öffentlichen Meinung" erzeugt.


Ließe man die Bevölkerung aufgrund der durch APALIs vereinfachten und zurechtgebogenen Berichterstattung über den Bau von Brücken, Raketen oder die beste Therapie gefährlicher Krankheiten entscheiden, erschiene dies jedem ganz offensichtlich absurd, sogar kriminell. Die Lebenslüge von Journalisten und Politikern besteht darin, dass sie vorgeben, dass man sehr komplizierte Netzwerke aus Zusammenhängen in der Politik und Wirtschaft kurz und einfach darstellen kann. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Je kürzer und einfacher die Berichterstattung, desto falscher und gefährlicher wird sie. Nicht in der "Kürze liegt die Würze", sondern in der Kürze liegt die würzige passive Lüge.


Die Standardfrage von Chefredakteuren und Parteipropagandisten "Versteht das auch die Kittelschürze?" ist ein krimineller Missbrauch ihres Einflusses auf die Bevölkerung. Sie reflektiert allerdings auch die Erkenntnis, dass man es mit 20 Millionen Rentnern und rund 7 Millionen funktionalen Analphabeten in der deutschen Bevölkerung zu tun hat. Allerdings spricht daraus auch die Bequemlichkeit. Man kann auf diese Weise die Vervielfältigung des eigenen gefilterten Halbwissens mit dem Motiv einer besseren Verständlichkeit rechtfertigen.


Die Realitäten des Journalistenlebens werden sorgfältig gegenüber Außenstehenden verborgen, weil sie peinlich und demütigend sind. Sie stehen in eklatantem Gegensatz zu der Rolle als Besserwisser, Kritiker, Ankläger und Richter, in welche sich die meisten Journalisten gedrängt sehen (wollen). Einerseits bestehen viele Redaktionen aufgrund des Sparzwanges zu einem erklecklichen Teil aus Praktikanten, Volontären und freien Mitarbeitern. Besonders die beiden erstgenannten arbeiten für einen Hungerlohn und werden oft schon nach einer Woche so eingesetzt, als wären sie erfahrende Redakteure. Dies gilt besonders bei den privaten Sendern und Printmedien.


Also bleibt ihnen nichts anderes übrig, als unter hohem Zeitdruck irgendetwas zu produzieren, was in der Regel nur eines bedeuten kann: Man muss von anderen abschreiben. Sie leben in ständiger Sorge um ihre Zukunft und ihr finanzielles Auskommen und können sich naturgemäß nicht einmal ein wenig Halbwissen anlesen. Für richtige Recherchen bleibt keine Zeit. Unwissenheit oder gefiltertes Halbwissen werden so zum Ausgangsmaterial ihrer Berichterstattung oder Kommentierung. Was liegt in einer solchen Situation näher, als die „politisch korrekten“ Standpunkte der angeblichen Edelfedern großer Medien zu übernehmen?


Hierfür wird gelegentlich der Begriff "Rudeljournalismus" verwendet. Richtiger müsste es jedoch heißen: die journalistischen APALIs. Ängstlichere Stimmen sprechen von einer "abnehmenden Vielfalt in der Medienberichterstattung", meinen jedoch genau das Gleiche. Die festen Jobs werden immer rarer und unsicherer. Immer weniger Journalisten trauen sich deshalb, die "politisch korrekten" Pfade zu verlassen, auf denen ihre Kollegen dahintrotten. Durch das hunderttausendfach oder millionenfach rezipierte Schreiben oder Reden eines einzelnen Publizisten wird leider der Eindruck erzeugt, es handele sich um die Meinung vieler, d. h. die "öffentliche" Meinung, während es sich in Wahrheit meist nur um die veröffentlichte Meinung eines einzelnen Menschen mit ungenauer Sachkenntnis handelt.


Um diese Tatsache zu beschönigen und den Eindruck zu erwecken, als sei jeder Artikel das Ergebnis einer riesigen kollektiven Anstrengung von Dutzenden kompetenter Journalisten, schreibt man sehr oft "... die XYZ-Zeitung schrieb dazu jüngst ...". In Wirklichkeit kann man meist froh sein, wenn der Artikel noch mal schnell von irgendjemand in der Redaktion gegengelesen wurde. Angesichts der hohen Zahl alberner Tippfehler und fehlender Zeilen in den Artikeln aller Edelzeitungen ist auch diese Hoffnung wohl übertrieben.


Vielfältig und äußerst effektiv sind die Mechanismen zur Bestechung oder Erpressung von Journalisten, um sie zur Berichterstattung im gewünschten Sinne zu bringen, d.h. die APALIs zusammenzuhalten. So kann man Journalisten leicht Zugang zu den Regierenden gewähren oder sie davon ausschließen. Die opportunen APALIs erhalten ihre Interviews, für die anderen hat der Minister oder Parteifunktionär leider keine Zeit, weil er/sie so viele andere wichtige Termine wahrnehmen muss. Genauso funktioniert der Zugang zu oder der Ausschluss von Hintergrundinformationen, die später mit der Einleitung "aus gut informierten Kreisen verlautet..." publiziert werden, ohne dass die Namen der Quellen genannt werden dürfen. Schließlich gibt es noch eine Reihe exklusiver Zirkel und Clubs, in welche die willfährigen Journalisten eingelassen werden und sich im Kreise großer Namen wichtig fühlen dürfen. Für die anderen gilt dies nicht.


Ich habe mich in den vorangehenden Bemerkungen auf einige Aspekte des Verhaltens von Journalisten konzentriert. In unserem Kreis ist es sicherlich fast überflüssig, die anderen Gründe näher zu betrachten, welche aus der offiziell propagierten Pressefreiheit eine institutionalisierte Farce machen. Dazu gehört die Monopolisierung der Medien, die sowohl in Deutschland als auch in den USA nur wenigen großen Konzernen gehören. Eine Vielfalt wird dadurch vorgetäuscht, dass die Zeitungen, Verlage, Radio- und TV-Stationen ihre alten Namen behalten, nachdem Großkonzerne sie kauften. Zusätzlich wird das Mantra von der Unabhängigkeit der Redaktionen verbissen abgespult.


Empfehlungen zur Gegenpropaganda, verfasst vom fiktiven „Spin Doctor“ Lothar Müller: Es kommt nicht darauf an, wieviel Wahres und Bedenkenswertes sich vielleicht in den vorstehenden Bemerkungen von Mayerhof finden lässt. Es muss ausschließlich darum gehen, zu verhindern, dass das Ideal der freien Meinungsäußerung und der journalistischen Unabhängigkeit in den Dreck gezogen wird, denn diese Wunschvorstellung wird als eine der tragenden Säulen der freiheitlichen Demokratie westlicher Industrienationen angesehen.

Deshalb ist es wichtig, keinesfalls auf die Einzelheiten seiner Analyse einzugehen, sondern stattdessen mit der schon lange bewährten Begriffskeule "Journalistenschelte" zu operieren. Damit wird die Grundlage für den Einsatz von Methoden der Rahmung und Beleuchtung geschaffen. So kann man beispielsweise einen anfänglichen Betrachtungsrahmen erschaffen, der davon ausgeht, dass Mayerhofs Verachtung der Journalisten eigentlich ein Ausdruck von Angst vor investigativem Journalismus ist. Heute wissen wir ja, dass er außerordentlich viel zu verbergen hatte.


Deshalb kann man anschließend die Methode der sukzessiven Rahmenverschiebung anwenden, an deren Ende bei jedem Leser oder Zuschauer der Eindruck entsteht, dass Mayerhof einen Staatsstreich vorbereitete. Dies hätten vermutlich nur investigative Journalisten aufdecken und über die Massenmedien verbreiten können. Daher sein Hass auf sie. Als Beispiel für derartige Erfolge könnte die Aufdeckung von Briefkastenfirmen in Steueroasen durch Journalisten-Netzwerke dienen. Die Geheimveranstaltungen, auf denen er die Vorträge hielt, die jetzt als Transkript vorliegen, waren ja eindeutig als Vorbereitung zur Schaffung einer neuen Organisation von Eliten konzipiert. Sie sollten in der Bundesrepublik unter einen Kanzler Mayerhof die Macht übernehmen und dann die parlamentarische Demokratie in ihrer heutigen Form abschaffen und durch ein neues System ersetzen.


Mit dieser Argumentationslinie müsste es recht einfach sein, eine Methode zur Steuerung des Schwarmverhaltens der Medien anzuwenden, indem man einigen der Edelfedern nahelegt, zu behaupten, dass sie in der Tat schon ganz nahe an der Aufdeckung der geheimen Zusammenkünfte waren, auf denen Mayerhof seine Vorträge hielt. Eine sensationelle Serie von Artikeln sei bereits in Vorbereitung gewesen, aber wegen des mysteriösen Todes von Mayerhof gestoppt worden. Man habe wegen des hohen Gutes der journalistischen Sorgfaltspflicht bei der unparteiischen und wahrheitsgetreuen Berichterstattung jedoch noch mit 4-6 Wochen weiterer Recherchen gerechnet und deshalb vorher nichts publiziert.


Ich möchte im Zusammenhang mit den Einschätzungen von Mayerhof jedoch auch an meinen Appell an Journalisten erinnern, den Eindruck arroganter Erzieher zu vermeiden. Ein wesentlicher Teil des verbreiteten Misstrauens gegenüber den Medien resultiert daraus, dass sich viele Journalisten gegenüber ihren Gesprächspartnern und Zuschauern bzw. Lesern wie KITA-Erzieher aufführen und auch untereinander oft mit so widerlich öliger Arroganz streiten, dass einem übel werden kann. Die beste Propaganda kann dadurch entwertet werden, dass ihre Verbreitung durch Personen erfolgt, deren Erscheinungsbild und Auftreten auf die meisten Menschen unsympathisch oder sogar abstoßend wirkt.


Ausschnitt aus einer Rede des fiktiven Finanzministers Prof. Mayerhof:

Warum bewerten Journalisten und Politik-"Wissenschaftler" ständig und mit großem Eifer die diffusen Sprechblasen der Politiker?


Die Erklärung, warum sich "Wissenschaftler" und Journalisten in stundenlangen Interviews oder Talkshows so eifrig mit den holprigen Sprechblasen oder Referententexten von Politikern auseinandersetzen, ist ganz einfach: Es sichert ihre Anstellung, ihr Einkommen und ihre Position innerhalb einer Seilschaft. Zudem genießen sie die Scheinwerfer der TV-Stationen, die ihre „tiefschürfenden Einsichten“ zum Leuchten bringen sollen. Hier hat sich eine Art von Symbiose entwickelt: Die Politiker-Marionetten liefern mit ihren Exkrementen die Nahrung für die APALIs der Journalisten und Politik-"Wissenschaftler". (Wer ist wohl auf die Idee gekommen, deren Klatschgeschichten und wilde Spekulationen für Wissenschaft zu halten?) Was wirklich wichtig ist, geschieht in der Regel hinter den Kulissen der Regierung und des Parlamentes.


Für all diese wichtigtuerischen Analysten gilt jedoch eine ungeschriebene Regel: Man muss jedes Thema mit möglichst viel heißer Luft aufblasen, um einen Ballon zu erzeugen, der einen selbst wichtig erscheinen lässt. Übrigens ist das bei den meisten Literaturkritikern, Kunstkritikern und -händlern, Soziologen und Volkswirtschaftlern nicht viel anders. Eigentlich wäre es sinnvoll, viele dieser „Palaver-Wissenschaften“ aus den Universitäten auszugliedern und in verkleinertem Umfang den Journalistenschulen anzuschließen. Schließlich handelt es sich ja nicht um exakte Wissenschaft, sondern eigentlich um eine Art von Vermutungs- und Behauptungskunst. Genau das ist ja auch der Kern des heutigen Journalismus.


Empfehlungen zur Gegenpropaganda, verfasst vom fiktiven „Spin Doctor“ Lothar Müller: Es ist angesichts zukünftiger Gefährdungen der gegenwärtig noch stabilen und prosperierenden Wohlstandsgesellschaft nötig, die bereits etablierten, politisch korrekten Wahrnehmungsfilter in der veröffentlichten Meinung zu unterstützen und auszubauen. Die kommenden Gefahren liegen z.B. in einer katastrophalen Weltwirtschaftskrise aufgrund platzender Finanzblasen. Zudem sind bürgerkriegsähnliche Kämpfe mit Banden perspektivloser und ungebildeter junger Männer aus den Ghettos arabischer und afrikanischer Migranten zu befürchten. In den USA und anderen Ländern ist diese Ghetto-Kriminalität schon Realität. Es reicht ein Zündfunke und schon überflutet ein randalierender Mob ganze Stadtteile. Eine weitere Gefahr liegt darin, dass immer mehr Menschen das Gefühl haben, dass es sich bei der repräsentativen Demokratie und einen "Tanz von Marionetten vor der Fassade der Demokratie" handelt. Diese Formulierung hat Mayerhof gelegentlich benutzt.


Statt "Das Sein bestimmt des Bewusstsein" muss das Credo der Medien also lauten: "Das Bewusstsein bestimmt das Sein". Genauso war es auch in den sozialistischen Staaten. Weil das gewünschte Bewusstsein aber durch Methoden der Bereinigung der Realitätswahrnehmung der Bevölkerung erschaffen werden muss, lautet die korrekte Formulierung natürlich "Der Schein bestimmt das Sein". Deshalb habe ich diesen Satz auch als Untertitel meiner Methodensammlung gewählt.


Es ist also Aufgabe der Journalisten und ihrer Stichwortgeber aus der Politikwissenschaft, der Soziologie und aus ähnlichen Fächern, diesen Schein durch die Art ihrer Kommentierung von Äußerungen von Politikern aufrecht zu erhalten. Dabei ist völlig egal, wie nebulös und inhaltsleer diese sein mögen. Die Regierenden dürfen keinesfalls als Marionetten erscheinen. Sie und die Spitzen ihrer Parteien müssen also als die Entscheider dargestellt werden, die sorgfältig mit der ihnen vom Wähler verliehenen Macht umgehen.


Es handelt sich bei der Deutung von Politikeraussagen um eine symbiotische Kooperation von Journalisten und Gesellschaftswissenschaftlern: Die veröffentliche Meinung wird durch die wissenschaftliche Analyse verifiziert. So werden aus bloßen Meinungen von Journalisten bewiesene Tatsachen. Andererseits genießen natürlich die Professoren der oben genannten Fächer die Bedeutung, die sie durch Fernsehauftritte und Zeitungsinterviews erhalten. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass Vertreter abweichender Meinungen in der Regel nicht eingeladen werden. Gelegentlich ist dies jedoch nützlich, um in einer größeren Runde einen Gegner zu haben, den man lächerlich machen und dessen Argumente man entkräften kann. Zudem wird dadurch der Eindruck erweckt, als würden die Medien ein breites Meinungsspektrum zulassen.


Diese Behauptung sollte auch immer wieder durch Beweise untermauert werden, indem man auf die „Überdruckventile“ in Form alternativer Meinungen verweist, die zwar subtil marginalisiert werden sollten, jedoch nicht verboten sind. Zudem ist es wichtig, sich ständig über die Unterdrückung und Inhaftierung von Journalisten in anderen Ländern aufzuregen und Solidarität mit ihnen einzufordern. So entsteht ein gutes Kontrastprogramm zum Recht auf freie Meinungsäußerung in Deutschland und zur verfassungsrechtlich garantierten Unabhängigkeit des Journalismus. Dass die Abweichler in Deutschland zwar nicht physisch interniert werden, sondern nur ihre Anstellung verlieren, darf dabei natürlich nicht erwähnt werden.


Zitat aus: Die Religion der Überkompensationen, Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2021