• Marc DeSargeau und FAGULON

Die Religion der Überkompensationen



„RELOCOMP (Reglion of Overcompensations) beschreibt sehr treffend ein Phänomen, welches viele der Diskussionen der Bessermenschen in Deutschland, aber auch in anderen wohlhabenden Industrie- und Informationsgesellschaften, beherrscht. Es ist tatsächlich ein religiös-inbrünstiger Glaube, der sich aus Überkompensationen früherer Fehler oder Verbrechen von Gesellschaften und Individuen speist. Wer den Glaubensinhalten von RELOCOMP nicht folgt, ist - wie bei den anderen Religionen - per definitionem ein Ungläubiger und somit auch ein Sünder. Diese armen Seelen muss man bekehren, was eine der Quellen des Eifers der RELOCOMP-Jünger ausmacht.


Jedoch überwiegt wohl in den meisten Fällen eine andere, unbewusste Motivation, die sich nur wenige eingestehen wollen: Dadurch, dass man selbst dem rechten Glauben anhängt und aus den einzig richtigen Überzeugungen die allein sinnvollen Handlungen und Lebensweisen ableitet, kann man sich mit voller Berechtigung über alle anderen erheben, die (noch) nicht zu diesen Höhen aufgestiegen sind. So wird man automatisch vom Normalo zum "Bessermenschen". Das ist ein wirklich starker Antrieb, welcher dem Hass der Rechtgläubigen auf die Andersgläubigen - und damit eigentlich Ungläubigen - in den fundamentalistischen Ausprägungen aller Religionen, besonders aber des Islam, in mancher Hinsicht ähnelt.


Warum sind es besonders die Linken, die sich oft mit großem Fanatismus der Verteidigung ihrer RELOCOMP-Glaubenssätze widmen? Die Antwort ist ganz einfach: Ihnen ist die Klientel abhandengekommen. Die Arbeiterklasse, die im 20. Jahrhundert angeblich die fortschrittlichste Kraft war und unter Führung ihrer Partei mit "demokratischem" Zentralismus die Menschen in das Elysium der klassenlosen kommunistischen Gesellschaft führen sollte, hat sich dramatisch gewandelt. In den modernen Industrie- und Informationsgesellschaften ist an ihre Stelle eine heterogene Gruppe von Fachkräften getreten, die komplizierte Maschinen und Roboter kontrollieren.


Man muss sich also neue Kundschaft suchen, die man vor Unterdrückung und Missachtung schützen kann. Sonst ist die eigene Bewegung, an der so viel Herzblut hängt und die so viele einträgliche Posten nebst öffentlicher Aufmerksamkeit ermöglicht, obsolet geworden. Natürlich ist diese Suche erfolgreich gewesen. Statt selber in die Entwicklungsländer oder in Flüchtlingslager zu gehen und dort die gefährliche und oft frustrierende Arbeit der Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, ist es viel einfacher, lautstark mehr Staatsgelder für die zunehmende Zahl illegaler Einwanderer zu fordern und die Einnahmen für deren Unterbringung und Versorgung den eigenen Anhängern in der profitablen Sozialindustrie zuzuschanzen.


Um das Spektrum der eigenen Klientel zu diversifizieren bietet sich zusätzlich die Genderpolitik an, die feministische und homosexuelle Positionen aus der vermeintlich immer noch existierenden Unterdrückung ständig ins Rampenlicht rückt. Wenn dann noch die drohende Klimakatastrophe propagiert wird - obwohl die gesicherten Daten hierfür keine ausreichende Grundlage liefern - ist das bedauerliche Vakuum, welches das Verschwinden der klassischen Arbeiterklasse hinterlassen hat, wunderbar ausgefüllt. Nun kann man sich beruhigt zurücklehnen und die Überlegenheit der eigenen Moral bei veganen Leckereien feiern.“


Zitat aus: Die Religion der Überkompensationen, Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2021