• Thilo Sarrazin und FAGULON

Die Wurzeln der Versklavung "Ungläubiger"



Die Welt hat erschüttert auf die Versklavung von zahllosen jesidischen und christlichen Frauen durch die Terrormiliz IS reagiert. Viele haben hier zum ersten Mal zur Kenntnis genommen, dass die heutigen Islamisten das Einfangen und Ausbeuten von Sklaven für ein gottgegebenes Recht halten, wenn es sich dabei um "Ungläubige" handelt. Wie ist es möglich, dass sich die scheinbar lange zurückliegende Praxis der Sklavenhaltung im fundamentalistischen Islam wieder etabliert?


Allerdings ist es auch hier nicht angebracht, sich von der hohen Warte der christlichen Werte darüber zu erregen, denn die brutale Sklavenhaltung durch die christlichen Farmer in den USA und Kolonialherren in anderen Teilen der Welt ist noch nicht lange her. Allerdings hat die islamische Sklavenhaltung eine Tradition von rund 1400 Jahren und hängt eng mit dem religiös begründeten Dschihad zusammen.


Zitat: "In der islamischen Welt entstand ein ausgedehntes sklavistisches System, das sich durch anhaltende Importe von Sklaven aus Europa, Zentralasien, Indien und Subsahara-Afrika speiste. Die Sklavenimporte der islamischen Welt übertrafen jene des römischen Reiches bei weitem, was bedeutet, dass die islamische Kultur als sklavenimportierende »Metropole« in der Peripherie die Versklavungsprozesse so anheizte, wie es bis dahin in der Weltgeschichte noch nie geschehen war«.“


Der sogenannte Dschihad vermischte sich untrennbar mit der Jagd nach Sklaven. Die systematische Sklavenjagd durch Raubzüge aus der islamischen Welt begann um 650 und endete erst um 1920 im Wesentlichen durch die Interventionen der Kolonialmächte in Afrika. »Aber in Gebieten, die dem Zugriff der Kolonialmächte entzogen blieben, gedieh der Sklavenhandel in der Illegalität; und die Sklavenrazzien von moslemischen Jägern gingen weiter, bis in die 20er-Jahre des 20. Jhs.


Als im 17. Jahrhundert die Einfuhr schwarzer Sklaven in großem Stil nach Amerika begann, konnten sich die europäischen Sklavenhändler dabei weitgehend auf die Infrastruktur der islamischen Sklavenjäger in Afrika stützen. Die Bewegung zur Aufhebung der Sklaverei begann und vollendete sich in den Ländern des Westens und wurde letztlich mit der Gewalt der Kolonialmächte durchgesetzt. Aus den islamischen Ländern gab es dazu nie eine Initiative."

Thilo Sarrazin, Feindliche Übernahme, Finanzbuch Verlag 2018, Seite 77