• Kirsten Heisig und FAGULON

Effektive Prävention von Jugendkriminalität


In Deutschland, aber auch in Schweden und Frankreich ist es zur Normalität geworden, dass die Ghettos von Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund zunehmend als "no-go-areas" der Polizei und Ordnungsämter angesehen werden müssen. Man traut sich zwar, gegen deutschen Demonstranten mit z.T. arroganter Brutalität vorzugehen. Wenn es sich über um 3-4 arabische oder türkische junge Männer handelt, die man verwarnen oder verhaften will, dann ist schnell der Rückzug angesagt. Der Grund: innerhalb weniger Minuten wird eine Gruppe von 20-30 "Brüdern oder Cousins" der potenziellen Straftäter per Handy zusammengetrommelt. Jetzt muss die Polizei den Rückzug unter dem Gejohle der Menge antreten, wenn sie nicht schnell durch eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei unterstützt wird. In Schweden wurde eine interessante Dokumentation eines TV-Teams gemacht. Sie filmten, wie sich Polizisten ängstlich weigerten, mit ihnen die Straße in Richtung eines Migranten-Ghettos zu überqueren. Als die Crew dann allein ging, wurde sie mit Beschimpfungen und Tritten davon gejagt. Es geht aber auch anders, wie Kirsten Heisig erfahren hat:


Zitat 1: "Einige Maßnahmen der Rotterdamer Polizei wären in Deutschland kaum denkbar. So gibt es z. B. das Instrument der präventiven Durchsuchung. Dieses ermöglicht es der Polizei, ereignisunabhängig beliebige Bereiche der Stadt abzusperren und dort jeden Bürger zu durchsuchen. Die Präsenz der Beamten im öffentlichen Straßenraum ist in den Risikobezirken hoch. Auch wenn an jeder zweiten Ecke ein Uniformierter steht, wirkt die Szenerie dennoch kaum bedrohlich. Der Beamte lehnt meist nur locker an seinem Fahrrad. Aber er ist eben da.


Immer wieder stößt man in Rotterdam auf praxisorientierte Lösungen. Der Polizeiabschnitt im Stadtteil Slinge fackelt nicht lange, wenn mehrmals mit unsicheren oder nicht zugelassenen Mopeds herumgeknattert wird: Bei der zweiten Ordnungswidrigkeit wird die Kiste eingezogen und verschrottet.


Im präventiven Bereich ist man mit dem Projekt „Watch Out" allerdings auch gut aufgestellt. Hier gehen junge Menschen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren im Auftrag und unter Anleitung der Polizei Streife. Sie tragen Uniformen, sind aber nicht mit hoheitlichen Befugnissen ausgestattet. Der Aufgabenbereich umfasst reine Beobachtung und Berichterstattung an die Polizei. Die Tätigkeit wird gering entlohnt und als Praktikum für eine Ausbildung im privaten Sicherheitsdienst anerkannt. Der Sinn der Aktion ist nicht, die jungen Leute in einem Wohngebiet gegeneinander auszuspielen, wie ich anfangs misstrauisch mutmaßte, sondern das Verantwortungsgefühl für das eigene Umfeld zu entwickeln und zu stärken.

Kirsten Heisig, Das Ende der Geduld, Konsequent gegen jugendliche Straftäter, Verlag Herder, 2010, Seite 172