• Marc DeSargeau und FAGULON

Schadet künstliche Beatmung mehr als sie nützt?


Die Intensivtherapie-Stationen werden in der Regel von Narkose-Ärzten, den Anästhesisten, geleitet. Sie verwenden bei Schwerkranken oft die künstliche Beatmung. Das erfordert aber, den Patienten in ein künstliches Koma zu versetzen, denn er hat ständig einen Schlauch in der Luftröhre. Lungenärzte sind jedoch mehrheitlich der Meinung, dass dieses Verfahren die COVID-19 Lungenentzündung oft verschlimmern kann und bevorzugen Sauerstoffmasken. Dazu kommt, dass nur ein kleiner Teil der künstlich beatmeten Patienten überlebt und dann meist auch irreversible Folgeschäden festgestellt werden.


Die ethische Frage lautet also: Sollte man denjenigen alten Menschen, die (auch aufgrund ihrer Vorerkrankungen) vermutlich nicht mehr genesen werden, die künstliche Beatmung ersparen und sie besser palliativmedizinisch versorgen?

Es muss niemand mehr durch eine Lungenentzündung qualvoll ersticken. Dies kann durch weniger invasive Methoden (z.B. Sauerstoffmasken u.a.) verhindert werden. Solche Menschen könnten dann jedoch zu Hause oder in einem Hospiz die letzten Tagen oder Wochen ihres Lebens mit Angehörigen erleben, statt bewusstlos und an Schläuchen hängend auf einer Intensivstation isoliert zu sterben.


Ein wenig beachteter Aspekt dieser Präferenz für Beatmungsgeräte ist ein finanzieller. Da heute die (meist privaten) Krankenhäuser in den wesentlichen Entscheidungen nicht von den Chefärzten, sondern von den Geschäftsführern gelenkt werden, ist es sinnvoll anzumerken, dass ein Tag künstlicher Beatmung auf der Intensivstation gegenüber den Kassen mit rund 20.000 Euro abgerechnet werden kann. Auch das könnte ein Gesichtspunkt sein, der in die Diskussion dieses Themas einfließen sollte.

Hinzu kommt ein anderes Problem: Die meisten alten Menschen haben keine oder keine rechtlich eindeutige Patientenverfügung.“

Zitat aus: https://www.fagulon.de/covid-19/fragen-hoffnungen-auswege/