• Marc DeSargeau und FAGULON

Fast alle Gelder sind verplant


„Die finanziellen Sachzwänge des Staates sind rigide: 95-98 % aller Ausgaben des Bundes, der Länder und Kommunen sind fixiert. Dazu gehören gesetzlich festgelegte Ansprüche - besonders bei den Sozialleistungen, welche fast die Hälfte des Bundeshaushaltes ausmachen. Hinzu kommen die Zins- und Tilgungslasten, welche durch die Staatsverschuldung entstehen und den drittgrößten Posten im Bundeshaushalt ausmachen. Die Schuldenbremse soll diese Spirale aufhalten. Wird sie es auch wirklich können, wenn der Euro endgültig zusammenbricht und/oder das weiter ungehemmt pokerspielende Finanzkapital wieder einmal jedwede Übersicht über seine Karten verliert? Selbst wenn dies so wäre, hätte die Schuldenbremse eine weitere Einschränkung des politischen Handlungsspielraums zur Folge.


An allen Bemühungen, die Schuldenspirale in wirtschaftlich prosperierenden Staaten zu bremsen, hat die Finanzwirtschaft verständlicherweise kein Interesse. Es gibt keinen einfacheren und sicheren Weg, nahezu mühelos Milliarden zu verdienen, als wenn Staaten immer neue Kredite aufnehmen. Ist so ein Vertrag - der in der Regel riesige Summen umfasst - nach dem Modell seiner Vorgänger abgeschlossen, dann rollt der Rubel für die Investmentfonds und Banken: Für viele Jahre ist ein stetiger Strom von Zinszahlungen und Tilgungen gesichert. Selbst bei instabilen Staaten kann man durch riesige Zinssätze oder durch die Garantie starker Länder - z. B. unter dem falschen Etikett der Euro-Rettung - noch sichere und hochprofitable Geschäfte machen. Da fallen gelegentliche Schuldenschnitte nicht ins Gewicht, insbesondere dann nicht, wenn man sich gegen Kreditausfälle rückversichert hat.


Dass es sich bei dem Geld, welches die Großbanken an Staaten und ihre Kunden verleihen um Chiralgeld handelt, ist ihnen bekannt. Die Bevölkerung hat jedoch in der Regel keine Ahnung, dass es sich hierbei um völlig ungedeckte Zahlungsmittel handelt, die aus dem Nichts erschaffen werden und dann wie wirkliches, durch Werte abgedecktes Geld verliehen werden. Die Golddeckung des US-Dollars ist schon seit den 70iger Jahren aufgehoben. Auch in Europa ist sie verschwunden. Die Goldreserven der Staaten liegen als ein angebliches Ruhekissen herum, können aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein, wenn das Finanzsystem zusammenbricht. Es reicht, wenn Geschäftsbanken bei den Zentralbanken 1-2% der Summe hinterlegen, um sich dort die riesigen Summen des neugeschaffenen "Geldes" zu borgen, die sie dann verleihen und dabei streng auf Rückzahlung und die Bedienung der Zinsen achten.“

Zitat aus: „Gesetze des Tanzes der Marionetten vor der Fassade der Demokratie“ (politische Belletristik in Form einer fiktiven Vortragsreihe mit eingeschobenen, politisch korrekten Vorschlägen zur Gegenpropaganda) von Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2020, Seite 42-43