• Matthias Weik, Marc Friedrich und FAGULON

Hemmungslose Geldschöpfung aus Nichts


Immer noch glauben die meisten Menschen, dass Kredite einer Bank dadurch entstehen, dass Einlagen von realem Geld wieder ausgeliehen werden. Allerdings ist das Geschäft mit realen Einlagen nur ein winziger Teil des Bankgeschäftes. Die Vergabe von Krediten mit Hilfe von aus "Luft und Liebe (der Zentralbanken)" erschaffenen Chiralgeldes ist die Quelle dieses wundersamen Geldregens. Zusammen mit Spekulationsgeschäften mit Aktien und Derivaten ergibt sich, das Banken sich nur selten mit Dingen beschäftigen, die ihre Wurzel in realen Werten haben. Meist sind es Seifenblasen, die groß erscheinen, aber schnell zerplatzen können.


Zitat 1: "Die Zentralbanken als Garanten des Geldwertes wurden bei Lichte besehen längst entmachtet. Nicht sie, sondern die Geschäftsbanken schöpfen heute fast alles »frische« Geld. Sie betreiben Giralgeldschöpfung aus dem »Nichts«. Wie sie das machen? Für Kredite, die sie vergeben, müssen Europas Banken seit Januar 2012 lediglich 1 Prozent Mindestreserve bei der EZR als Sicherheit hinterlegen. Das bedeutet, dass eine Geschäftsbank aus einem Euro per Knopfdruck 100 Euro machen – und dann gegen Zins und Zinseszins verleihen kann. Jedem Banker schlägt hier vor Entzücken das Herz höher. Er verleiht Geld, das es vor seinem Mausklick gar nicht gab - und kassiert dafür auch noch eine Gebühr - den Zins. Genial!...


All diese ungedeckten Schecks kursieren mit Zins und Zinseszins. Der Zinseszins aber ist das Musterbeispiel exponentiellen Wachstums. Das klingt zunächst nach einer tollen Nachricht für alle Gläubiger. Dann wie eine sehr schlimme Nachricht für die Schuldner. Am Ende lässt der Kollaps des Systems freilich beide auf ihren Titeln sitzen."...


"Verschärft wird die Krise darüber hinaus durch folgende Brandbeschleuniger: eine falsche, viel zu expansive Notenbankpolitik; einen kaum noch kontrollierten Lobbyismus; und eine überaus ungesunde Nähe zwischen Politik und Finanzindustrie. Letztere ist nicht schwer zu erklären: Die Politik braucht die Banken als Abnehmer ihrer Schuldenpapiere. Und die Banken leben nicht nur prächtig von der kommerziellen Finanzierung öffentlicher Aufgaben, sie halten damit zugleich alle Daumenschrauben für Staatenlenker in der Hand.


Menschliches Versagen in Form von Gier, Maßlosigkeit und Überheblichkeit in der Bankenbranche besorgt dann bloß noch den Rest. Denn für jede Ungeheuerlichkeit, die das System aus Geldschwemme, Spekulation und politischem Erpressungspotential ermöglicht, findet sich binnen Minuten ein Schuft, der sie ausführt"....


Zitat 2: "Ein Hauptproblem unseres Finanzsystems ist die nahezu unkontrollierte Giralgeldschöpfung aus dem Nichts. Die Notenbanken haben de facto nur noch begrenzte Möglichkeiten, die Geldmenge zu steuern. Vor allem mit dem »Einsammeln« der zu faktischen Nullzinsen produzierten Ströme von Dollars, Euros, Yen und Pfund Sterling wird es im Ernstfall schwierig. Allein schon deshalb, weil nicht recht zu erkennen ist, wer all die Staatspapiere in ihren Beständen übernehmen, geschweige denn tilgen soll, wenn Fed, EZB &Co. meinen, den Hahn zudrehen zu müssen. In Wahrheit hätten die »Währungshüter« niemals ins Geschäft mit Staatsschulden einsteigen dürfen!...


Ist es wirklich nur Zufall, wenn an der Spitze (EZB) oder in den Vorständen vieler westlicher Zentralbanken ehemalige Topleute von Goldman Sachs and Friends sitzen? Und warum sind die Notenbanken in vielen Ländern, beispielsweise in den USA, in Italien oder in der Schweiz in privatem Besitz?"…


Wir sind überzeugt, dass wir neben den drei klassischen Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative eine echte – keine sprichwörtliche wie die Medien vierte Gewalt brauchen: eine öffentlich-rechtliche, strikt unabhängige, transparente, direkt oder indirekt gewählte »Monetative«. Wir kommen darauf beim Thema Vollgeld zurück. Das Vordringlichste ist jedoch, dass die Giralgeldschöpfung durch private Banken verboten, in einem ersten Schritt zumindest stark beschränkt wird."


Matthias Weik und Marc Friedrich, Der Crash ist die Lösung. Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten. Eichborn Verlag, 2014, Seite 300-301 und 306-307