• Marc DeSargeau und FAGULON

Spitzenpolitiker: Das könnte jeder sofort!



„Wäre es möglich, dass fast jeder Mensch, der zufällig auf der Straße angesprochen wird, einen Job als Marionetten-Politiker bekleiden könnte, ohne dass wir einen Unterschied zur bisherigen Situation merken würden? Ja sicher! Die Ministerialen schreiben doch ohnehin die Sprechzettel, Reden und Artikel; sie reichen die unterschriftsreifen Briefe und andere Texte ins Vorzimmer. Sie sind eng verbandelt mit den Strippenziehern und ihren Seilschaften. Alles bliebe genauso wie es bereits ist.


Ein oft zitierter "Zukunftsforscher", der sich der literarischen Fiktion als Verpackung für seine Prognose bediente, hat treffend formuliert: "Es spielt keine Rolle, ob der große Bruder tot ist!" Die sozialistischen Staaten haben es mit ihrer Gerontokratie bewiesen: Egal wie alt, krank und/oder dement die Leute an der Spitze sind, der Laden läuft - im Rahmen der Möglichkeiten des Systems - wie geschmiert.


Wenn dies schon für ein System gilt, in dem die starken kreativen und sich selbst regulierenden Mechanismen der "kompetitiven Intelligenz" der Realwirtschaft und der international vernetzten wissenschaftlichen und technologischen Forschung kaum wirken konnten und wo deshalb jeder auf eine Anweisung von oben warten musste, dann ist dies für die modernen Industriegesellschaften umso mehr gültig. Es spielt keine Rolle, wer Kanzler oder Minister ist. Es ist gleichgültig, ob diese Personen krank oder unfähig sind, solange gelegentlich ein Bild von ihnen in den Medien auftaucht. Alles andere wird auch ohne sie geregelt. Also: Spitzenpolitiker kann fast jeder!!


Diese Aussage ist unter anderen nach der Wiedervereinigung durch umfangreiche Erfahrungen mit den DDR-Politamateuren bestätigt worden. Zufälle und die Suche nach unbelasteten und wenig störenden Personen haben sie in die erste Reihe der Politik in den neuen Bundesländern und auf einige Ministersessel im Bund gespült. Keiner von ihnen hatte Vorerfahrungen in der Politik oder Spuren der essentiellen Kenntnisse des Rechts- und Wirtschaftssystems der Bundesrepublik. Sie hatten zuvor als Arzt, Chemiker, Physiker, Musiker, Ingenieur und oft als Pfarrer gewirkt und waren plötzlich die Chefs von Landesregierungen oder Minister. Alle zeichneten sich durch eine geduldige Hilflosigkeit aus, wie dies auch nicht anders sein kann, wenn in atemberaubender Geschwindigkeit das vertraute System zusammenbricht und durch die Strukturen, Gesetze und Verordnungen der Bundesrepublik - nach den bewährten Verfahren einer Sieger- oder Kolonialmacht - ersetzt wird.


Natürlich haben dann die "Vollzugsbeamten der Kolonialherren" alle Zügel in der Hand. Alle Schaltstellen in den Ministerien und anderen Organisationen wurden zwangsläufig mit entbehrlichen Westlern besetzt, weil nur sie die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten besaßen. Also hielten diese Personen in der zweiten und dritten Reihe reale Macht in der Hand, während die hilflosen Marionetten an der Spitze den ehemaligen DDR-Bürgern den falschen Eindruck vermitteln mussten, deren Interessen würden durch Politiker aus ihrer Mitte vertreten. Dass kuriose Zufälle zwei dieser Politiker-Darsteller in die höchsten Ämter der Bundesrepublik gespült haben, ist eine Ironie der Geschichte.“

Zitat aus: „Gesetze des Tanzes der Marionetten vor der Fassade der Demokratie“ (politische Belletristik in Form einer fiktiven Vortragsreihe mit eingeschobenen, politisch korrekten Vorschlägen zur Gegenpropaganda) von Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2020, Seite 174-175