• Marc DeSargeau und FAGULON

Lockdown: Hoffnungen und Illusionen


Bereits die Schließung von Restaurants und Theatern erfolgte ohne wissenschaftliche Basis. Bis auf wenige Ausnahmen sind Infektionen bei Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sowie der Raumbelüftung nicht nachgewiesen worden. Angesichts der sehr weitgehenden und sinnvollen Maßnahmen der Betreiber von Restaurants und Theatern und des fehlenden Nachweises ein Superspreader-Ereignissen unter diesen Bedingungen handelt es sich hier wieder um eine Maßnahme nach dem bewährten Motto: "Ehe wir nichts tun, machen wir lieber irgendetwas" (siehe Alltagsmasken-Pflicht, Punkt 1). Genauso wird bei der Schließung von Geschäften außerhalb des täglichen Bedarfs verfahren. Fast alle haben nur eine sehr begrenzte Zahl von Kunden eingelassen und auf Abstände und guten Luftwechsel geachtet. So wäre sicher auch das Weihnachtsgeschäft zu bewältigen gewesen, ohne viele neue Infektionen zu riskieren.


Solange die wirklichen Gründe für die Ausbreitung der Infektion nicht behoben werden (siehe oben) dürfte auch der nächste Lockdown genauso enttäuschend verlaufen, wie der vor einigen Wochen eingeführte angebliche "Wellenbrecher". Wer Wellenbrecher aus Papier baut, darf sich nicht wundern, wenn sie zerschmettert werden.


Sinnvoll ist sicher die Schließung der Schulen aus den unter Punkt 5 genannten Gründen. Genauso wie durch die Schließung von KITA kommen dadurch wieder riesige Probleme auf die Eltern kleinerer Kinder zu. Weiterhin hat sich gezeigt, dass bei vielen Schülern der Digitalunterricht nahezu wirkungslos war. Angesichts der oft nicht sehr sinnvollen Lerninhalte wäre dies allerdings noch am leichtesten zu verschmerzen.


Allerdings kann man durch einen solchen verschärften Lockdown die wirklich gefährlichen Infektionsquellen nur eingeschränkt bekämpfen. Zum Beispiel ist eine lückenlose Einhaltung und Kontrolle der Infektionsschutzmaßnahmen in den sozialen Brennpunkten mit hohem Ausländeranteil kaum zu erwarten. Zudem müsste man in allen öffentlichen Verkehrsmitteln nicht nur einen ständigen und schnellen Luftwechsel, sondern auch eine geringe Zahl von Reisenden sicherstellen. Das geht bei der deutschen Bahn. Im Regionalverkehr der Großstädte müsste vor jedem Bus, jeder Straßenbahn ein Aufpasser stehen, der die Passagiere zählt und gnadenlos stoppt, wenn die erlaubte Anzahl pro Wagen erreicht ist. Das ist eine Illusion. Sicherlich ist die weitgehende Einstellung des Reiseverkehrs zu den Festtagen wirksam, aber angesichts der oben umrissenen Situation vermutlich nicht ausreichend.


Man kann also voraussagen, dass die neuen Maßnahmen ein hilfloser Akt der Verzweiflung sind. Sie werden jedoch vermutlich auch zu einer mäßigen Verminderung der Neuinfektionen führen. Eine wirkliche Eindämmung oder Eliminierung dieses Virus wie in den ostasiatischen Ländern, Australien, Neuseeland u.a. ist jedoch eine Illusion. Angesichts der Tatsache, dass nur sehr wenige junge und gesunde Menschen durch das noch wenig verstandene Phänomen der "Lymphokinstürme" schwer erkranken oder sterben, können und müssen wir uns damit abfinden, mit dem Virus zu leben, das für die allermeisten Menschen ungefährlich ist. Dies gilt jedoch nicht für sehr alte Menschen mit Vorerkrankungen, von denen die meisten nicht an, sondern mit einer Corona-Infektion sterben. Also wäre statt wenig wirksamer Maßnahmen mit schweren wirtschaftlichen Schäden ein effektiver Schutz der Altenheime, des medizinischen Personals und anderer Bereiche viel sinnvoller. Aber hier fehlt es immer noch an vielem. Die anfänglichen Dankesbekundungen an die dort Arbeitenden haben nicht dazu geführt, dass sie ausreichend geschützt (und entlohnt) werden.


Zitat aus dem Artikel „Die wahren Ursachen der 2. Welle. Was kann man tun?“ von Marc DeSargeau, https://www.fagulon.de/covid-19/die-zweite-welle/