• Marc DeSargeau und FAGULON

Militärische Rüstung und Neokolonialismus der Neo-Stalis



"Das sozialistische Staatenbündnis im Kampf gegen den "Imperialismus des Westens" im Vergleich zur Anheizung von Kriegen und Rüstungswettläufen durch Neo-Stali-Monopole

Alle sozialistischen Staaten sahen sich in einem heroischen Kampf um die Herrschaft des "allein selig machenden Glaubens" der kommunistischen Lehre und gesellschaftlichen Praxis. Dieser Kampf wurde angeblich (und z.T. wirklich) durch die bösen Mächte des westlichen Imperialismus nötig, deren alleiniges Interesse angeblich in der Vernichtung der sozialistischen Länder und in der Weltherrschaft bestand. So konnten eine Militarisierung der Gesellschaft und das Wettrüsten auf atomarem und konventionellem Gebiet gerechtfertigt werden. Hinzu kam das militärische Eingreifen in Bürgerkriegen in Entwicklungsländern, die sich mit sozialistischen Ländern verbündet hatten. Auf diesem Hintergrund war die Militarisierung der Bevölkerung durch Wehrpflicht und zahlreiche paramilitärische Organisationen zu rechtfertigen. Natürlich diente dies jedoch vornehmlich der Disziplinierung und Indoktrination der eigenen Bürger.


Ähnlich funktioniert die Strategie der militärisch-industriellen Komplexe heute. Die Produktion existierender Waffensysteme kann nur profitabel sein, wenn diese auch verbraucht werden. Dazu müssen Kriege angezettelt werden. Wie dies funktioniert, hat sich besonders gut am Beispiel der Bush-Administration gezeigt, die durch den ehemaligen Chef der Waffenschmiede Halliburton (Dick Cheney) dominiert wurde. So wurde der Nahe und Mittlere Osten aufgrund erfundener Gefahren in fürchterliche Katastrophen gestürzt, was zu Millionen Toten und Verwundeten geführt, den islamischen Terrorstaat ermöglicht und viele dieser Länder zerstört hat.


Aber das reicht noch nicht für die großen Geschäfte: Der Rüstungswettlauf muss wieder in Gang gesetzt werden. Obwohl Russland inzwischen ein kapitalistischer Staat geworden ist, dient es immer noch als Schreckgespenst und möglicher Aggressor. Dass das Land von allen Seiten eingekesselt ist, wird natürlich übersehen. Wenn Russland in regionalen Konflikten - die z.T. von westlichen Regierungen angeheizt wurden - die neu erstarkten Muskeln spielen lässt, wird das zwar wutschäumend verurteilt, heimlich aber dankbar begrüßt. So kann man eigene Hochtechnologie-Projekte in der Rüstung genauso wie den Ausstieg aus wichtigen Abrüstungsverträgen rechtfertigen. Eine unvorstellbar große Menge von Steuergeldern fließt besonders in den USA in die Rüstungsindustrie. Für den Fall, dass die Angst vor der "russischen Bedrohung" einmal abnehmen sollte, hat man allerdings noch einen weiteren, viel mächtigeren Feind in petto: China. Das stalinistische Prinzip, ein Bündnis durch das Phantom eines Feindes zusammen zu halten, wurde einfach kopiert.


Sozialistische Klientelstaaten im Vergleich zum Neokolonialismus chinesischer und westlicher Prägung

Im Rahmen des kommunistischen Blocks waren die Beziehungen zwischen dem großen Bruder und den kleinen Brüdern auf wirtschaftlicher und militärischer Ebene so eng, dass es keiner besonderen Tricks bedurfte, sie bei der Stange zu halten. Anders sah es in den Entwicklungsländern aus, wo man sich mit den westlichen Mächten in ständigem Wettbewerb befand und Stellvertreterkriege durch die Unterstützung unterschiedlicher Bürgerkriegsparteien führte. Hinzu kam jedoch der wirtschaftliche und politische Einfluss, der besonders durch die Entsendung von Fachkräften und den Aufbau von Produktionsstätten ausgeübt wurde. Im Handel mussten die sozialistischen Länder - mangels harter Währung – oft auf Tauschgeschäfte ausweichen: Maschinen gegen Rohstoffe. So entstand eine Reihe von Klientelstaaten, allerdings nur so lange, wie die entsprechenden Regierungen nicht durch Staatsstreichs oder Bürgerkriege entmachtet wurden.


Der kapitalistisch-stalinistische Hybridstaat China hat dieses Konzept sozialistischer Weltpolitik verfeinert und außerordentlich erfolgreich gemacht. Es wurde in aller Stille vorangetrieben und blieb deshalb lange unbeachtet. Es handelt sich um die Schaffung eines Netzes von Klientelstaaten, die durch riesige Kredite sowie die Ansiedlung chinesischer Firmen-Enklaven und Häfen in wirtschaftlicher Abhängigkeit gehalten werden. Auf diese Weise ist China in Afrika und anderen Teilen der Welt zu einer Kolonialmacht neuen Typus geworden: Man lässt die Regierungen bzw. Diktatoren dieser Staaten mehr oder weniger alles tun, was sie für richtig halten. Morde, Bürgerkriege, Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte interessieren nicht. Wenn die Regierenden dann noch finanziell korrumpiert werden - was in diesen Ländern üblich und leicht ist - dann kann sich China entfalten. So entstehen wirtschaftliche Enklaven, in denen nur die Chinesen das Sagen haben und wo Bodenschätze ausgebeutet, große Ländereien bewirtschaftet und Häfen mit Militärstützpunkten angelegt werden können. Hinzu kommen noch weitere, subtilere Formen der Abhängigkeit durch die Vernetzung mit anderen Staaten in Form der "großen Seidenstraße", d.h. dem physischen und administrativen Aufbau großer Handelswege. Schließlich ist es China kürzlich gelungen, eine Freihandelszone zu schaffen, die weit größer ist als die von der EU bzw. der von den USA dominierten Region.


Internationale "solidarische Hilfe" der Sozialisten/Stalinisten im Vergleich zur Einflußnahme durch Stiftungen von Milliardären

Es gab zwei Formen der Steuerung von politischen Prozessen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die vom sozialistischen Block verwendet wurden und mit anderen Namen auch durch die Neo-Stalis benutzt werden. Zunächst natürlich die "brüderliche" Waffenhilfe gegen Aufständische oder politische Rivalen. Davon soll hier jedoch nicht die Rede sein, obwohl die militärischen Interventionen durch Waffenlieferungen, Soldaten und Privatarmeen durchaus auch durch westliche Länder - besonders natürlich die USA - genutzt werden, um ihren Einfluss zu erhalten oder zu vergrößern. Besonders großen und weniger auffälligen Einfluss konnten die sozialistischen Länder durch Wirtschaftskontakte und die "solidarische Hilfe" erwerben. Hier wurden Spendenaktionen der eigenen Bevölkerung propagandistisch aufgeblasen, so dass man dann die (mehr oder weniger freiwilligen) Spenden durch Staatsgelder ergänzen konnte. So erkaufte man sich Abhängigkeiten.


Ganz ähnlich verfahren die Neo-Stalis. Viele Besitzer der Monopole, sehen sich sowohl aus ökonomischen als auch ideologischen Motiven als Weltverbesserer und Weltgestalter - so wie dies auch den Führern der kommunistischen Parteien bei ihren Aktionen in Entwicklungs- und Schwellenländern vorschwebte. Die einen gründen große Stiftungen, was ihnen Steuerbefreiung sichert und es erlaubt, nur so viel für die selbst gewählten Projekte zu investieren, wie durch das Stiftungskapital erwirtschaftet wird. Sie werden dadurch in der Regel also kaum ärmer, gewinnen aber einen enormen Einfluss auf viele Bereiche staatlichen Handelns und internationaler Organisationen. Oft ist das richtig und gut. Wenn dies nun sehr viele von ihnen tun, wie es gegenwärtig der Fall ist, entsteht eine international wirkende nebenstaatliche Macht, die natürlich auch zur Steuerung von Prozessen gebraucht werden kann, die den jeweiligen Milliardären persönlich richtig und vorteilhaft erscheinen. Angesichts der finanziellen und intellektuellen Hilflosigkeit vieler Staatenlenker kann dies durchaus sinnvoll und richtig sein. In anderen Fällen werden die Entscheidungen von internationalen Organisationen und Regierungen in bedenklicher Weise beeinflusst. Dann zählen weder Fakten noch demokratische Abstimmungsprozesse, sondern nur private "Einsichten" von einigen Individuen, die sich dort als Großspender "eingekauft" haben."


Zitat aus: Marionetten, Neo-Stalis und Monsterwellen, Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2021