• Marc DeSargeau und FAGULON

Neo-Stalis ermutigen absurde Überkompensationen


"Der Erfolg der zunehmenden Verengung des Sagbaren in vielen westlichen Gesellschaften hat weitere "ideologisch korrekte Überkompensationen" ermutigt

Die Erfahrung, dass man mit den oben erwähnten Neo-Stali-Methoden enge Pfade des erlaubten Denkens und Handelns auch in einer scheinbar freiheitlichen kapitalistischen Gesellschaft etablieren kann, hat offenbar eine Reihe von Trittbrettfahrern angezogen. Sie fühlen, wie befriedigend es sein kann, sich als der rechtgläubige und das Gute in der Welt verteidigende Mensch zu präsentieren. Man braucht sich nur an Stellen zu kratzen, wo es andere angeblich juckt. Schon kann man mitleidsvoll auf die anderen herabsehen, die noch nicht das eigene Maß moralischer Größe und Einsicht erreicht haben. Man kann sie belehren und notfalls bekämpfen und diffamieren, weil das ja alles im Interesse der guten Sache geschieht. So sonnen sich die Vorbeter der neuen Moden von ideologisch korrekten Verhaltens- und Denkregeln nicht nur im Bewusstsein der eigenen Überlegenheit, sondern oft auch im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Genau die gleichen Gefühle und Gedanken haben rechtgläubige Muslime, weil sie auf die Ungläubigen oder Falschgläubigen herabsehen können, die niemals in Allahs Paradies aufsteigen werden.


Große Macht haben diese ideologisch korrekten Überkompensationen in bestimmten Bereichen der USA, besonders an den Universitäten gewonnen. In diese Kategorien fallen z.B. die absurden Übertreibungen dessen, was angeblich eine sexuelle Belästigung oder rassistische Beleidigung darstellen soll. Gleiches gilt für die vermutete Geringschätzung oder Diskriminierung von Schwulen, Lesben, Transsexuellen u.ä. Jeder Mensch ist fast schutzlos, wenn die angeblichen Opfer solcher Missetaten (oft nach Jahren) voll Empörung über das "Leid" berichten, welches ihnen angetan wurde. Es gilt das Motto: "Wie angeklagt, so verurteilt".


Das setzt sich in der Schaffung von "safe spaces" zur Erholung von den unabsichtlichen "mini-aggressions" fort und führt schließlich zur Einführung von "trigger warnings" in Büchern und Filmen. Das hochsensible Opfer hat immer Recht, ganz egal wie absurd übertrieben seine Befindlichkeiten auch sein mögen. Kaum etwas ist leichter zu erlangen und schwerer zu widerlegen als der Opferkult. Sogar das Kochen eines ausländischen Gerichts kann verwerflich sein, weil es sich dabei um eine "cultural appropriation" handelt, also die Nutzung eines fremden Kulturgutes in der Manier von Kolonialisten. Dass in diesem Umfeld fast jede Kostümierung zum Fasching als rassistisch, frauenfeindlich etc. angeprangert werden kann, bleibt natürlich nicht aus.


Diese Exzesse der "ideologisch korrekten" Trittbrettfahrer der Neo-Stalis lassen sich wunderbar als Waffe einsetzen, wenn man Rache für einen verlorenen Job nehmen oder einen Konkurrenten erledigen will. Das zeigt sich daran, wie viele Menschen - besonders in den USA - bereits ihren Job verloren haben, weil sie (angeblich) den immer enger werden Pfad des rechtgläubigen Denkens und Handelns verlassen hatten. So reicht bereits die Feststellung einer Schuldirektorin, dass alle menschlichen Leben - also nicht nur die der Schwarzen - wertvoll sind und schon ist sie am nächsten Tag ihren Job los. Die schöne neue Welt ist endlich Wirklichkeit geworden!


Eine weitere, relativ neue ideologisch korrekte Überkompensation besteht in der sogenannten „cancel culture“. Man will versuchen, alles aus dem kollektiven Gedächtnis zu löschen, was den Neo-Stalis aus heutiger Sicht als verwerflich erscheint. Deshalb werden Statuen von Generälen und Präsidenten in den USA vom Sockel gestoßen und Straßen in Deutschland umbenannt. Märchen sollen umgeschrieben und Backwaren mit neuen Namen versehen werden. Aber man kann natürlich auch Menschen und Veranstaltungen „canceln“. So erleben Abgeordnete der AfD gelegentlich, dass Restaurantbetreiber ihnen höflich nahelegen, nie wieder in diesem Etablissement zu erscheinen und Vermieter von Tagungsräumen durch Drohbriefe erpresst werden, zugesagte Mietverträge für Veranstaltungen der Partei zu brechen. Besonders absurd ist das „canceln“ von Getreide, z.B. bei der Einstellung des Verkaufs von Hirse in Supermärkten, weil es aus dem Betrieb eines AfD Politikers stammte. Gelegentlich werden auch Personen oder ihr Besitz „gecancelt“, in dem sie hinterrücks überfallen, ihre Wohnungen beschmiert oder Autos in Brand gesteckt werden."


Zitat aus: https://www.fagulon.de/die-neo-stalis/teil-2/