• Marc DeSargeau und FAGULON

Privilegien oder Restriktionen für Kasten-Angehörige



Die unsichtbare und unkontrollierbare Zuweisung von Privilegien oder Restriktionen für Mitglieder unterschiedlicher Kasten.

Im Gegensatz zu der stalinistisch-kapitalistischen Hybridgesellschaft Chinas müssen die Privilegien oder Restriktionen, die mit der Zugehörigkeit zu einer Kaste verbunden sind, in westlichen Gesellschaft natürlich weitgehend verborgen bleiben. Das wird ähnlich funktionieren, wie dies schon in den sozialen Netzwerken durch die Neo-Stalis gehandhabt wird: Man verhängt hier bereits sehr oft einen Shadow Ban oder entfernt die Werbung bei Personen, die unliebsame Ansichten vertreten. Die ideologisch korrekten Kasten profitieren hingegen von einem optimierten Algorithmus, so dass die erwünschten Meinungen vermehrt sichtbar werden. Genauso lässt sich z.B. durch Einspeisung der Kastenzuordnung in die Datenbanken der Rating-Agenturen erreichen, dass die Angehörigen der niederen Kasten ein schlechteres Rating und die Mitglieder der höheren Kasten ein besseres erhalten. So werden z.B. Anträge auf Kredite u.ä. entweder wesentlich erleichtert oder erschwert. Da diese Firmen jedoch grundsätzlich keine Angaben über die Methoden machen, mit denen sie ein Rating festsetzen, ist dies in der Regel nicht nachweisbar.


In ähnlicher Weise kann man auch Banken und Finanzdienstleister vertraulich über die Kastenzugehörigkeit ihrer Kunden informieren. Wie viele Beispiele bereits jetzt belegen, sind diese Firmen sehr gern bereit, Konten von Kunden zu kündigen, die durch politisch unerwünschte Aktivitäten aufgefallen sind. Dies muss nicht begründet werden und ist nicht anfechtbar, weil es sich um die "freie" Entscheidung eines privaten Unternehmens handelt. So kann man also bei vielen Menschen die Möglichkeiten der Teilnahme am Geldverkehr einschränken oder sogar blockieren. Niemand kann sich dagegen zur Wehr setzen.

Aber auch auf dem oft sehr überlaufenden Wohnungsmarkt kann man - insbesondere in Kooperation mit den großen Immobiliengesellschaften - leicht verhindern, dass Angehörige niederer Kasten eine Wohnung in einer bestimmten Lage oder überhaupt einen Mietvertrag bekommen. Da die Vermieter immer ein Rating von einer Agentur einholen, bevor sie einem Mietvertrag zustimmen, ist es leicht, diejenigen auszuschließen, die bei den Agenturen als Mitglieder einer niederen Kaste registriert sind. Für die Betroffenen ist das nicht erkennbar, sie haben auch keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Umgekehrt kann man auf diese Weise natürlich die Angehörigen der hohen Kasten bevorzugen. Diese Personen erhalten dann schneller Wohnungsangebote, möglicherweise sogar zu günstigeren Konditionen der Durchschnitt.


Wenn man nun noch eine einfache Datenbank erstellt, in der lediglich die persönlichen Daten (Name, Alter, Geburts- und Wohnort) der Menschen zusammen mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kaste verzeichnet sind, ergibt sich eine weitere Möglichkeit, das Leben von Menschen zu fördern oder zu behindern. Macht man diese Datenbank allen Personalabteilungen zugänglich, können sich diese sofort nach Eingang einer Bewerbung in Sekundenschnelle informieren. Die Personen in einer der niederen Kaste bekommen einfach keine Einladungen zum Vorstellungsgespräch und werden nie erfahren, warum das so ist. Den Angehörigen der hohen, den Neo-Stalis genehmen Kasten kann man auf diese Weise zu einer schnelleren Karriere verhelfen, so dass immer mehr Positionen mit treuen Gefolgsleuten besetzt werden können.


Zitat aus: Marionetten, Neo-Stalis und Monsterwellen, Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2021