• Marc DeSargeau und FAGULON

Wählerführerschein: Praktische Übungen


„In dieser zweiten Phase auf dem Weg zum Wählerführerschein werden den Teilnehmern aktuelle oder in Zukunft bedeutsame Probleme aus verschiedenen Politikbereichen vorgelegt. In Analogie zur Fahrschule begeben sich die Teilnehmer nun auf die Piste. Sie fahren allerdings nicht in trauter Zweisamkeit mit dem Fahrlehrer, sondern steuern einen Bus, in dem alle Mitglieder ihrer Gruppe sitzen und sie beim Navigieren beobachten und kritisieren.


Konkret bedeutet dies, dass alle der Reihe nach darstellen müssen, welche Lösung sie für die Beste halten und weshalb eine bestimmte Gruppe oder Person den von ihnen favorisierten Weg mit der höchsten Wahrscheinlichkeit umsetzen wird. Da nicht alle Teilnehmer die gleichen Lösungswege favorisieren werden, besteht die Aufgabe darin, möglichst viele in der Gruppe von der eigenen Wahlentscheidung zu überzeugen. Durch die Gegenargumente der anderen wird die eigene Meinung in der bestmöglichen Weise herausgefordert, gelegentlich sogar umgestoßen werden.


Im praktischen Teil der Fahrschulausbildung geht es nicht darum, möglichst schnell und bequem von einem Ort zum anderen zu gelangen. Vielmehr lernt der Fahrschüler, das Auto zu beherrschen und es im Einklang mit den Verkehrsregeln sowie unter Berücksichtigung der Interessen der anderen Autofahrer zu steuern. Oft bedeutet dies, anderen die Vorfahrt zu gewähren oder sich in Geduld zu üben, wenn lange Staus das Vorankommen zeitweise unmöglich machen.


Genauso müssen auch die Diskussionen der Teilnehmer an den praktischen Kursen zum Erwerb des Wählerführerscheins verlaufen: Es geht nicht darum, die eigenen Interessen und Präferenzen möglichst schnell und umfassend durchzusetzen. Vielmehr wird durch Alternativvorschläge der anderen Teilnehmer und ihre Kritik an den Präferenzen und Meinungen des jeweils Vortragenden schnell deutlich, wo er die Fähigkeiten und Eigenschaften des Fahrzeugs "Gemeinwesen" falsch einschätzt oder Regeln missachtet, die für dessen Navigation durch den Dschungel der Sachzwänge beachtet werden müssen.“

Zitat aus: „Gesetze des Tanzes der Marionetten vor der Fassade der Demokratie“ (politische Belletristik in Form einer fiktiven Vortragsreihe mit eingeschobenen, politisch korrekten Vorschlägen zur Gegenpropaganda) von Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2020, Seite 263-264