• Thilo Sarrazin und FAGULON

Desillusionierung bei der Integration von Migranten



Deutschland ist (noch) eine wichtige Informations- und Industriegesellschaft. Jedoch steht das Land immer stärker in der Konkurrenz um das einzig wichtige Kapital der Zukunft: die intelligenten und hochgebildeten Menschen, die durch ihre Erfindungen und die kompetente Handhabung der Zukunftstechnologien den künftigen Wohlstand sichern können. Davon gibt es aber in den asiatischen Ländern und den USA sehr viel mehr, so dass nur die massive Einwanderung solcher Menschen Deutschlands zukünftigen Rückstand noch aufhalten könnte.


Stattdessen findet jedoch eine andere und unkontrollierte Einwanderung statt. Können und wollen diese Menschen sich in eine westlich-sakulare Informationsgesellschaft integrieren und auf höchstem Niveau international konkurrieren? In manch hoffnungsvollen und politisch korrekten Aussagen von Politikern und Medien wird dies für möglich gehalten. Wie aber sieht die Realität angesichts der bisherigen Erfahrungen aus? Sarrazin zeichnet ein wenig hoffnungsvolles Bild.


Dabei geht es im wesentlichen um drei Faktoren, die den Erfolg von Migranten und ihren Nachkommen in Deutschland bestimmen werden. Zunächst erhebt sich die Frage, inwieweit die Vorbildung in den Herkunftsstaaten den Anschluss an deutsche Bildungswege ermöglicht. Weiterhin muss man analysieren, wie schnell und wie gut sich die Migranten die deutsche Sprache aneignen können, um in eine Ausbildung oder das Arbeitsleben einsteigen zu können. Schließlich ist zu berücksichtigen, welche Folgen der Familiennachzug von Migranten haben wird und inwieweit sie sich in Ghettos von der deutschen Gesellschaft abschotten werden.


Zitat 1: "Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit verfügen 70 bis 80 Prozent über keine geeignete Qualifikation. Soweit die Zugewanderten formale Abschlüsse mitbringen, entsprechen diese durchweg nicht deutschen Standards. Ein Schulabschluss in den Herkunftsländern bedeutet ein Leistungsniveau, das in der Regel allenfalls dem dritten oder vierten Schuljahr entspricht. Studienberechtigte haben im Durchschnitt allenfalls ein Kompetenzniveau, das in Deutschland mit dem Realschulabschluss erworben wird. Sie sind nach deutschen Maßstäben zum größeren Teil nicht studierfähig.


Ein erheblicher Teil der Zugewanderten von 60 bis 70 Prozent besteht aus funktionalen Analphabeten. Selbst die angebotenen Deutschkurse werden von 70 Prozent der neuen Zuwanderer vorzeitig abgebrochen. Die Leistungsmotivation und Anstrengungsbereitschaft sind durchweg sehr gering, die Vermeidungshaltung dagegen ausgeprägt. Entsprechend gering sind die Erfolge."

Thilo Sarrazin, Feindliche Übernahme, Finanzbuch Verlag 2018, Seite 276



Zitat 2: "Die wenigen Ausländer aus nicht europäischen Asylherkunftsländern, die Arbeit gefunden haben, üben fast ausschließlich ungelernte einfache Tätigkeiten aus. Die Abgangschance der Unbeschäftigten in Arbeit (also die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres Arbeit zu finden) schätzt die Arbeitsverwaltung auf 2 Prozent. Bei diesem Tempo würde es 40 Jahre dauern, bis alle Arbeit gefunden haben. Aber das ist natürlich ein theoretischer Wert. Erstens werden sie älter, zweitens bauen sich ihre Qualifikationsdefizite nicht automatisch ab. Und drittens merken sie beim Warten und Nichtstun, dass der deutsche Sozialstaat sie mit Wohnraum, Krankenversicherung und Geldleistungen gut versorgt. Auch ohne Arbeit ist ihr Lebensstandard weitaus höher als in ihrer Heimat.


Das Problem entstand nicht erst mit dem Flüchtlingszustrom seit 2015, auch davor waren die Ausländer aus den Asylherkunftsländern kaum in den Arbeitsmarkt integriert. Aber durch den plötzlichen Zuzug von weiteren anderthalb Millionen, vorwiegend jungen Männern, hat es sich dramatisch verschärft. Es handelt sich um eine tickende Zeitbombe. Die meisten sind Muslime. Gefühle von Erfolglosigkeit und Nutzlosigkeit können vorhandene Radikalisierungstendenzen verschärfen. Lässt man Familiennachzug zu, so beschleunigt das die Bildung neuer bzw. die Vergrößerung bestehender Parallelgesellschaften. Das Beste wäre es, diese jungen Menschen möglichst schnell in Arbeit zu bringen oder sie zumindest auszubilden, ehe im Nichtstun Demotivierung und Radikalisierung einsetzen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Nur, wer kümmert sich darum? Die Behörden - Arbeitsämter und Kommunen – tun es jedenfalls nicht. Sie sind mit der Erfassung. Verwaltung und Versorgung der Flüchtlinge und Asylbewerber voll ausgelastet."

Thilo Sarrazin, Feindliche Übernahme, Finanzbuch Verlag 2018, Seite 276


Zitat 3: "Für denjenigen Teil der Flüchtlinge, denen ein Aufenthaltsrecht zugesprochen wird, ist der Familiennachzug möglich. 2016/17 kamen rund 200000 Menschen im Rahmen des Familiennachzugs, die Zahlen werden in Zukunft weiter steigen. Der weitaus größte Teil des Familiennachzugs entfällt auf Ehepartner. Im Kreis der seit 2015 Zugewanderten wird die Zahl der jungen Familien mit wachsender Kinderschar schnell zunehmen. Die weitaus meisten dieser jungen muslimischen Familien werden ganz oder überwiegend von staatlichen Transfers leben. Deutschland wiederholt in großem Stil den Fehler, den es bereits in den Siebziger- und Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts mit dem Familiennachzug für die türkischen und marokkanischen Gastarbeiter machte. Die jetzige neue Welle kommt aber in ein Land, in dem sich die demografischen Gewichte bereits erheblich verschoben haben.


Die Integration in eine deutsche Umgebung und in Schulklassen mit deutschen Schülern wird für die meisten der neuen Welle muslimischer Zuwanderer und Familiengründer gar nicht mehr möglich sein, weil es für sie an quantitativ und qualitativ ausreichender deutscher Umgebung fehlt. Die Integrationsergebnisse werden deshalb für die neuen Zuwanderer noch weitaus schlechter sein als für jene Türken und Araber und ihre Kinder, die in den Sechziger- bis Neunzigerjahren nach Deutschland kamen."

Thilo Sarrazin, Feindliche Übernahme, Finanzbuch Verlag 2018, Seite 276