• Marc DeSargeau und FAGULON

Die Gesinnungsethik definiert "gut" und "böse"




"Nachdem nunmehr in Westeuropa die christlichen Glaubensrichtungen an Bedeutung verloren haben und auch der Religionsersatz der sozialistisch-kommunistischen Ideologie fast überall zu Staub zerfallen ist, verstärkt sich die Sehnsucht vieler Menschen nach einer Glaubensrichtung, die - wiederum auf der Basis gesinnungsethischer Werte - eine klare Unterscheidung von "Gut und Böse" ermöglicht.


Hinzu kommt der allzu menschliche Trieb, sich über andere zu erheben, weil diese unfähig oder unwürdig sind, sich dem rechten Glauben anzuschließen und "Gutes" zu tun. Übrigens sind die Überwertigkeitsgefühle der "rechtgläubigen" Moslems hiervon kaum zu unterscheiden, ganz egal, ob es sich um die Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten oder zwischen fundamentalistischen Gläubigen und den "Ungläubigen" in den westlichen Gesellschaften handelt, von denen sie oft großzügig alimentiert werden.


Man darf allerdings auch die Gefangenen in reich gepolsterten Illusionskäfigen nicht unerwähnt lassen. Sie können nur noch nach oben sehen, von wo ihnen die Sonne ihrer WUVU (Wunschdenken, Visionen und Utopien)-Ideologie entgegen strahlt. Die Fenster in den Wänden könnten den Blick auf die Wirklichkeit erlauben. Sie sind undurchsichtig, weil sie mit Geldscheinen zugepflastert sind. Diese stammen aus Abgeordnetendiäten, Funktionärsgehältern, Parteispenden und anderen Quellen. Dazu kommen andere Sichtblenden: Es sind auch die Aktionsprogramme und Propagandaslogans der Parteien, Gewerkschaften, Interessenverbände und Bessermenschen, welche Wahrnehmung großer Teile der Realität verhindern. Auch deshalb ist es für die REAP (Realitätsnaher Pragmatismus)-Politiker - und auch für Autoren, die einen unverstellten Blick auf die Realität haben - nahezu aussichtslos, eine nennenswerte Zahl von WUVU-Politikern aus ihren Illusionskäfigen zu befreien.


Zitat aus: Die Religion der Überkompensationen, Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2021