• Hamad Abdel-Samad und FAGULON

Im Islam und Faschismus: Glaube, Gehorsam und Kampf


Die Ähnlichkeiten zwischen dem traditionellen und radikalen Islam und den "atheistischen Religionen", also Faschismus und Kommunismus, sind frappierend und setzten sich aus den immer gleichen drei Elementen zusammen. Die Grundlage für alles ist der allein selig machende Glaube. Durch seinen Absolutheitsanspruch werden Abweichungen nicht nur als falsch und verderblich, sondern als feindlich qualifiziert.


Zitat 1:

"Die Idee, dass es nur einen Gott gibt, der uns geschaffen hat, der alles bestimmt, was mit uns geschieht, der uns vierundzwanzig Stunden am Tag beobachtet, der unsere Gedanken und Träume kennt, der unser Leben mit Geboten und Verboten kontrolliert und uns bei Verfehlungen mit Höllenqualen bestraft – diese Idee ist der Ursprung der Ursprung der religiösen Diktatur, die wiederum Vorbild für alle anderen Diktaturen ist.


In jeder Diktatur gibt es jemanden, der Zugang zur absoluten Wahrheit hat, der den Menschen den Weg dorthin weist und von ihnen als Gegenleistung verlangt, ihre Individualität und ihren gesunden Menschenverstand aufzugeben und ihm als Inhaber dieser absoluten Wahrheit bedingungslos zu folgen. Die Erlangung des Heils ist nur durch die Beschreitung dieses einen Wegs möglich. Alle anderen Wege führen in die Irre und ins Verderben."

Hamad Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 61


Auf der Basis dieses absoluten und alles andere als feindlich und eigentlich nicht lebenswert darstellenden Glaubens kann eine Überwertigkeit der Gläubigen (vergleichbar mit den arischen NSDAP-Mitgliedern oder den guten KP-Genossen) postuliert werden. Diese erhöht das kleine Individuum bis hin zu mörderischem Größenwahn und rauschhaften Massenexzessen. Die Kristallnacht der Nazis und die Proteste gegen Mohammed-Karrikaturen unterscheiden sich in dieser Hinsicht kaum.


Zitat 2:

"Ähnlich wie im Faschismus misst Maududi der Opferbereitschaft der Muslime einen hohen Stellenwert zu. Qutb folgt Maududis Aufruf: „Wenn ihr an die Richtigkeit des Islam glaubt, bleibt euch nichts anderes übrig, als eure ganze Kraft einzusetzen, um sie auf Erden vorherrschen zu lassen. Entweder ihr schafft dies, oder ihr opfert euer Leben in diesem Kampf.“


Ein Aufruf in dem die ewige Attraktivität des Dschihad für junge Muslime begründet ist. Denn durch den Dschihad kann ein junger Muslim seine Ohnmacht und Hilflosigkeit überwinden. Im Kampf kann er entweder siegen und Gottes Willen auf Erden vollstrecken, oder er wird im Kampf fallen und mit dem ewigen Paradies belohnt. Eine Win-win-Situation sozusagen."

Hamad Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 76


Auf diesem Hintergrund ist es töricht, von einem Islam auszugehen, der sich "säkularisiert" und der modernen westlichen Gesellschaft anpasst, wie dies beim protestantischen Christentum geschehen ist. Das Gegenteil ist in den letzten Jahrzehnten eingetreten. Ägypten, viele arabische Länder, die Türkei, der Iran und die erste Generation der Gastarbeiter in Deutschland waren vor einigen Jahrzehnten noch sehr liberal. Man konnte auf den Straßen kaum einen Unterschied zu Europa feststellen. Der Islam spielte nur eine dekorative Rolle. Nachdem sich aber die Hoffnung auf (sozialistische) Demokratien verflüchtigt hatte und die arabischen Diktaturen immer brutaler wurden, entsann man sich des mittelalterlichen Islam. Das gab Halt und ein Überlegenheitsgefühl, erzeugte aber auch ein neues Gefängnis, welches man nun auch in den westlichen Ghettos besichtigen kann. Der Dschihad ist eine der Konsequenzen.


Zitat 3:

"Es kommt immer wieder vor, dass der Dschihad-Virus von einigen Muslimen relativiert wird. Man redet vom »kleinen Dschihad« und meint damit den bewaffneten Kampf gegen die Feinde des Islam; oder vom »großen Dschihad«, dem »Sichabmühen auf dem Weg zu Gott«.


Man sollte sich hiervon nicht täuschen lassen. Der Dschihad, wie ihn der Prophet verstanden und praktiziert hat, ist das eigentliche Problem. Die koranische Aufteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige ist das Problem. Die Unantastbarkeit des Propheten und des Koran ist das Problem. Die Bildung, die sich vom Propheten und vom Koran nicht lösen kann, ist das Problem. Der Dschihad als Selbstzweck ist das Problem. Denn der Kampf wird erst kam Ende aller Tage aufhören."

Hamad Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 128