• Marc DeSargeau und FAGULON

Neu-Sprech täuscht Veränderung vor



"Die RELOCOMP-Sprache versucht also, die Wirklichkeit (auch) durch Umbenennung zu verändern. Das ist durchaus ein "sinnvolles" Vorgehen. Einerseits sind viele der alten Begriffe mit Assoziationsmustern verbunden, die oft reflexhaft und unterbewusst anspringen. Andererseits kann man durch Umbenennung wunderbar vortäuschen, es habe die erhofften Veränderungen bereits gegeben. …


Allerdings besteht die Kehrseite der Medaille - wie bei allen Aspekten der RELOCOMP darin, dass mit der Verbannung der alten Vorurteile neue erschaffen werden. Der Blick für die Realität wird zudem durch das in Begriffe gegossene Wunschdenken verschleiert. Die entscheidende Voraussetzung jeder Problemlösung - die umfassende und vorurteilsfreie Analyse der Wirklichkeit - wird so verhindert. Die WUVU-Parteien und ähnliche Organisationen leben davon.


Eigentlich wäre es folgerichtig, wenn bald neue, noch originellere Begriffe hinzukämen: Zum Beispiel sollte man hässliche Menschen als "optisch Andersartige", "ästhetisch Alternative" oder auch als "Lookismus-Opfer" bezeichnen. Dicke Menschen wären dann korrekt als "durch die Schwerkraft Herausgeforderte" anzusprechen. Sicher würde man den extrem Übergewichtigen am besten dadurch gerecht werden, dass man sie "Inklusions-Opfer" bezeichnet, da sie nicht mehr in die engen Sitze im Flieger passen. Die Faulen und Disziplinlosen dürften zukünftig nur noch als "andersartig Aktive" bezeichnet werden.


Insofern hat die Propagierung von RELOCOMP-Themen auch eine Verschleierungsfunktion. Wenn man sich intensiv den Frauenquoten für Aufsichtsräte, Toiletten für Transsexuelle (ein großes Thema in den USA), oder dem Überleben von einigen Arten von Vögeln oder Kröten in einer bestimmten Region widmet (obwohl diese in anderen Regionen ungestört und zahlreich leben), dann legen diese "Aufreger" einen Nebelschleier über die Wahrnehmung der wirklichen Gefahren. Das sind z.B. der Zusammenbruch der Weltwirtschaft durch die Explosion von Schuldenblasen, die Machtergreifung islamistischer Terroristen in wichtigen Ölstaaten oder ein Atomkrieg, der von instabilen Regimen in Pakistan oder Nordkorea ausgehen könnte. Wie bei einem Karzinom, welches zunächst sich schmerzfrei und unbemerkt entwickelt, können solche Bedrohungen unter dem Nebel von RELOCOMP-Aufregern wachsen, bis sie plötzlich hervorbrechen und ihr tödliches Werk nicht mehr aufzuhalten ist."


Zitat aus: „Gesetze der Symbiose von Wunschdenken, Wahrnehmungsfilter und Selbstzensur“ (politische Belletristik in Form einer fiktiven Vortragsreihe mit eingeschobenen, politisch korrekten Vorschlägen zur Gegenpropaganda) von Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2020, Seite 226-229