• Norbert Bolz und FAGULON

Umschlag von Neid in Hass und Gewalt


Angesichts der Orgien von Gewalt, Zerstörung, Brandstiftung und Plünderung, die wochenlang in den USA unter dem Vorwand des Protestes gegen tödliche Polizeigewalt und die (angebliche?) allgemeine Diskriminierung von Afro-Amerikanern zu beobachten waren, wagt niemand ein wesentliches psychologisches Motiv dieser Randale zu benennen: Neid und Hass auf die Erfolgreichen.


Ein besonders eklatantes Beispiel für diese politisch korrekte Blindheit war der Versuch eines wütenden Mobs, die opulente Villa eines Anwalts zu stürmen und in Brand zu setzen. Er machte von seinem gesetzlich verbrieften Recht zur Selbstverteidigung äußerst vorsichtigen Gebrauch: Er stellte sich mit seiner Frau bewaffnet vor die Tür. Kein Schuss wurde abgefeuert, niemand verletzt. Nach US-Recht hätte er auf die Randalierer schießen dürfen, sobald sie durch seinen Zaum gebrochen waren und drohten, sein Haus anzuzünden. Er tat es nicht. Dennoch klagte ihn die schwarze Bezirks-Staatsanwältin an und konfiszierte seine Waffen. Er hätte angeblich den Mob illegal bedroht. Das ist eine besonders absurde Eskalation von Neid und Hass auf die Wohlhabenden, der zudem jede juristische Berechtigung fehlt. Bolz hat das schamhaft verschwiegene Neid-Motiv vieler Proteste schon vor Jahren auf den Punkt gebracht:


Zitat:

"Sobald der Neid keine soziale Ausdrucksform mehr findet, schlägt er um in Wut und Schafft sich Luft in der Attacke auf Symbole des sozialen Unterschieds. Die wachsende ökonomische Entbehrlichkeit vieler Menschen macht diesen Umschlag heute immer wahrscheinlicher.


Die Überflüssigen werden ausgeschlossen, und die Fanatiker nehmen sich nun der Menschen an, die die Weltgesellschaft aus sich ausgeschlossen hat. Wer in der Gesellschaft keine Anerkennung findet, sucht sie gegen sie.


Aus Neid wird Fanatismus. Mir gelingt etwas nicht – und deshalb soll die Welt untergehen. Willkürliche Gewalt und Vandalismus sind die „Leistungen“ des Ressentiments, das die Lebensenergien des Menschen durch Orgien von Neid und Hass aufzehrt.

Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, Wilhelm Fink Verlag, München, 2009, Seite 116