• Marc DeSargeau und FAGULON

Wählerführerschein: Finanzielle Anreize und Prüfung



„Wie am Ende der Fahrschulausbildung besteht auch die dritte und letzte Phase des Weges zum Wählerführerschein in einer Prüfung. Um dies möglichst effektiv zu machen, werden Prüfungen an Computern in der Ausbildungsstätte der zukünftigen zertifizierten Wähler vorgenommen. Jeder Kurs erhält per Zufallsauswahl unterschiedliche Fragen aus einem großen, zentral vorbereiteten Fragenpool. So kann eine schnelle Verbreitung der richtigen Antworten über das Internet ausgeschlossen werden. Die Teilnehmer beantworten die Fragen allein, jedoch zum gleichen Zeitpunkt und im gleichen Raum. So kann durch ein geeignetes Computerprogramm innerhalb von Minuten nach Abschluss der Prüfung das Ergebnis für jeden einzelnen Teilnehmer festgestellt werden.


Diejenigen Bürger, welche die Prüfung bestanden haben, erhalten sofort eine Urkunde als zertifizierte Wähler, werden in einer zentralen Datei gespeichert und profitieren von den finanziellen Anreizen, die ich noch näher beschreiben werde. Wer eine bestimmte Mindestpunktzahl nicht erreicht, ist automatisch durchgefallen, kann jedoch nach einigen Wochen zu einer Wiederholungsprüfung antreten. Wer dreimal durchfällt, der muss den gesamten Kurs wieder von Anfang an durchlaufen oder aufgeben.


Angesichts des Aufwandes stellt sich natürlich sofort die Frage, ob es überhaupt eine ausreichende Zahl von Bewerbern geben wird. Schließlich müssen die zertifizierten Wähler ja durch ihre Entscheidungen die Interessen aller Bevölkerungsgruppen widerspiegeln. Es sollte angestrebt werden, dass zwischen 5 und 10 % der theoretisch wahlberechtigten Bürger innerhalb von 2-3 Jahren einen Wahlführerschein erwerben. Ihr Status als zertifizierte Wähler verpflichtet sie dann, sowohl an Parlamentswahlen als auch an repräsentativen Volksentscheiden teilzunehmen.


Wie ist das jedoch zu erreichen? Die Lösung ist ganz einfach! Alle Bürger, die einen Wählerführerschein erworben haben, erhalten für die kommenden 3-5 Jahre eine Reduktion ihrer Steuerlast oder eine Erhöhung ihrer Renten- bzw. Transferzahlungen, sofern sie selbst keine oder nur geringe Steuerpflichten haben. Auf diese Weise ist ein erheblicher finanzieller Anreiz gegeben, die Kurse erfolgreich zu durchlaufen. Diejenigen, die in der Prüfung scheitern, bekommen diese Vergünstigungen natürlich nicht. Ihre Mühe war also völlig umsonst: Sie werden weder zu Wahlen zugelassen, noch profitieren sie von den finanziellen Anreizen.


Angesichts Hunderter Milliarden, die für die Stützung verschuldeter Euro-Staaten, für die Rettung von Banken oder für sinnlose kriegerische Interventionen ausgegeben werden, sind die Kosten, die im Zusammenhang mit dem Wählerführerschein entstehen, vernachlässigbar. Die meisten Ausgaben für die Belohnung der zertifizierten Wähler kommen bereits kurz nach der Einführung dieses Systems wieder herein. Warum? Wenn nur die zertifizierten Wähler abstimmen dürfen, reduzieren sich die Kosten von Parlamentswahlen dramatisch. Es sind z. B. keine Wahlplakate mit dummen Slogans mehr nötig. Auch die peinlichen TV-Werbespots werden nicht mehr gebraucht. Zudem können auch die Wahllokale ersatzlos abgeschafft werden. Jeder zertifizierte Wähler erhält durch ein verschlüsseltes System die Möglichkeit, seine Stimme über das Internet abzugeben. Für die seltenen Ausnahmen, bei denen dies nicht möglich ist, stände natürlich immer noch die Briefwahl zur Verfügung.“

Zitat aus: „Gesetze des Tanzes der Marionetten vor der Fassade der Demokratie“ (politische Belletristik in Form einer fiktiven Vortragsreihe mit eingeschobenen, politisch korrekten Vorschlägen zur Gegenpropaganda) von Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2020, Seite 265-267