• Norbert Bolz und FAGULON

Gender-Ideologien


Inzwischen gibt es weit mehr als hundert Professuren für Gender-Studien in Deutschland. Außer den Insidern weiß wohl kaum jemand, was diese "Forscher" wohl entdecken. Wir haben jedoch im Alltag einiges von den ideologisch und fanatisch verfolgten praktischen Auswirkungen des Genderismus erlebt. Überall greift die "Innen-Unsitte" um sich. Es gibt keine Bürger mehr, sondern nur noch BürgerInnen, keine Studenten, sondern nur StudentInnen usw. Dies obwohl im Sprachgebrauch seit Jahrhunderten diese Worte immer beide Geschlechter gemeint haben, sie also gar keine diskriminierende Wirkung haben können.


Man liest lange Diskussionen über die angeblich so benachteiligte lächerlich kleine Minderheit der Transen und ihr riesiges Problem, die richtige Toilette zu benutzen. In den inzwischen besonders fanatischen US-Universitäten werden z.T. sogar extra Klos eingerichtet. Quoten sollen die angebliche Diskriminierung von Frauen im Berufsleben beseitigen. Sie können jedoch Kinder bekommen und diskriminieren damit die Männer, denen das versagt bleibt.


Sexuelle Belästigungen werden hinter jedem Blick und vielen harmlosen Bemerkungen entdeckt und streng geahndet. Eine solche Belästigung entsteht im Denken der Gender-Ideologen nicht dadurch, dass sie stattfindet, sondern dass sich das angebliche "Opfer" belästigt fühlt. Dass die Anschuldigung sexueller Belästigung eine bequeme Methode der Rache von Frauen an Männern ist, wurde durch zahllose Beispiele in den USA bewiesen. Hier haben viele großartige Individuen ihren Job und ihre Reputation verloren, nur weil sich eine Frau an ihnen rächen wollte, z.B. weil ihr Vertrag nicht verlängert wurde.


Dass enge Jeans, kurze Röcke und ein elegantes Make-up eine ständige sexuelle Belästigung der Männer sind, wird erstaunlicherweise weder erwähnt noch bestraft. In dieser Hinsicht sind die islamischen Kleiderordnungen für Frauen durchaus konsequent.


Zitat: "Das mächtigste Tabu der modernen Gesellschaft liegt über dem Geschlechtsunterschied. Wer daran festhält, dass es wesentliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, sich deshalb kritisch zu militanten Formen des Feminismus äußert und den Wissenschaftsstatus der so genannten Gender Studies in Frage stellt, gerät rasch in die Zone akademischer Kopfschüsse. Hier muss man entschlossen, aber auch sehr besonnen vorgehen – und das heißt eben: unterscheiden. Wir wollen im Folgenden zwischen dem aufgeklärten und dem fanatischen Feminismus unterscheiden und lassen uns dabei von der Überzeugung leiten, dass jeder, der dem fanatischen Feminismus Konzessionen macht, dem aufgeklärten Feminismus schadet. Der aufgeklärte Feminismus gehört in die stolze Geschichte des europäischen Fortschritts im Bewusstsein der Freiheit. Der fanatische Feminismus ist eine psychische Epidemie, eine Geisteskrankheit, die aufgrund ihrer massenweisen Verbreitung in gewissen Medien und Bildungsanstalten als neue Form von Intelligenz gefeiert wird.


Der Geist der Demokratie verführt dazu, Gleichberechtigung mit Gleichartigkeit zu verwechseln. Dass es nicht mehr Herr und Knecht geben soll, wird dann so überinterpretiert, dass es auch keinen Unterschied zwischen Vater und Sohn oder zwischen Mann und Frau mehr geben soll. Gerade hier, im Verhältnis der Geschlechter, hat Alexis de Tocqueville den Punkt des größten demokratischen Missverständnisses markiert. Indem man die Gleichheit der Geschlechter erzwingt, degradiert man beide. Hier konnte Tocqueville die amerikanische Demokratie noch loben: Während die europäische Kultur zur forcierten Gleichstellung der Geschlechter neige, habe die amerikanische Kultur das ökonomische Grundprinzip der Arbeitsteilung auf das Geschlechterverhältnis angewandt. Es ist genau diese sexuelle Arbeitsteilung, deren überlegene Produktivität für Tocqueville noch außer Frage stand, gegen die sich der Kampf des Feminismus richtet. Der fanatische Feminismus missversteht Gleichberechtigung als Gleichheit."

Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, Wilhelm Fink Verlag, München, 2009, Seite 47