• Marc DeSargeau und FAGULON

Reaktion auf Machtlosigkeit: Marionettentänze


„Wenn ohnehin keine nennenswerte Handlungsfreiheit für die Durchsetzung politischer Gestaltungsideen besteht, weil die heute Vormittag diskutierten Sachzwänge gemeinsam mit den Strippenziehern hinter den Kulissen die substantiellen Wirkungsmöglichkeiten von Exekutive und Legislative massiv einschränken, ist dann vielleicht der Tanz der Marionetten auf der Fassade einer angeblich repräsentativen, parlamentarischen Demokratie die ehrlichste Lösung? Die Antwort ist ein herzhaftes: "Ja!! - was denn sonst??" Zudem darf man nicht vergessen, dass die "kompetitive Intelligenz" der Realwirtschaft (im Unterschied zur verantwortungslosen Intelligenz der Zocker in den internationalen Finanz-Kasinos) glücklicherweise und zu Recht einen maßgeblichen Einfluss auf die Politik hat.


Die Abgeordneten und die Minister sollen diejenigen, die an den Felsen der Realwirtschaft arbeiten, möglichst unterstützen und nicht behindern - denn auf diesem Fundament ruht die Gesellschaft. Ebenso wenig wollen die Strippenzieher gestört werden, welche die meist unsichtbaren Fäden in der Hand halten, mit denen der Tanz der Marionetten auf der Fassade der Demokratie gesteuert wird. Vom Staats- und vom Regierungschef werden mit Recht häufige und besonders ausdruckslose Tänze erwartet. Beide führen dies fast täglich in Reden, Pressekonferenzen und Interviews mit bewundernswerter Beharrlichkeit vor. Sie kennen das Gebäude der Gesellschaft und die Felsen auf denen es ruht, nur vom Hörensagen, haben es nie betreten, sondern nur gelegentlich ein Blick darauf geworfen.


Die Matrone hatte zunächst nur den Fernseher, der es ihr ermöglichte, über die Mauer zu schauen. Natürlich war ihr Bild zusätzlich verzerrt durch den Wahrnehmungsfilter, der infolge einer politik- und wirtschaftsfremden Ausbildung und Berufspraxis entsteht. Später war man dann allerdings "näher" dran: Man sah durch die Vorhänge von Amtsstuben und von den Podien großer Säle herab auf das wirkliche Leben.“

Zitat aus: „Gesetze des Tanzes der Marionetten vor der Fassade der Demokratie“ (politische Belletristik in Form einer fiktiven Vortragsreihe mit eingeschobenen, politisch korrekten Vorschlägen zur Gegenpropaganda) von Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2020, Seite 125-126