• Hamed Abdel-Samad und FAGULON

Islam und Faschismus: Verwandte politische Religionen?


Der Islamwissenschaftler und Buchautor Hamad Adbel-Samad wuchs in einem kleinen ägyptischen Dorf auf. Dort lernte er - wie viele andere - den Koran auswendig. Es war der einzige Lerninhalt der Dorfschule. Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland und dem Studium veränderte sich seine Sicht auf die unumstößlichen, weil angeblich göttlichen Gebote des Koran. Er legte nahezu revolutionäre Bücher vor, von denen die Analyse der historischen Gestalt des heiligen Propheten Mohammed das Aufregendste war. Seine Ansichten über die Quellen des Islam und den Propheten und über den darauf basierenden Allmachtsanspruch der "Rechtgläubigen" werden von vielen anderen Autoren geteilt und z.T. erheblich erweitert. (z.B. "Im Schatten des Schwertes" von Tom Holland). Er muss sich nun ständig verstecken und durch Personenschutz von Mordanschlägen schützen. Sein Mut ist bemerkenswert und seine Stimme verdient Gehör, besonders weil man seine Analysen in der offiziellen Politik gern verschweigt.


Zitat 1:

"Der Faschismus ist eine Art »politische Religion«. Seine Anhänger glauben, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Ganz oben in der Hierarchie steht der charismatische unfehlbare Führer, der mit einem heiligen Auftrag ausgestattet ist, um die Nation zu einen und die Feinde zu besiegen. Die faschistische Ideologie vergiftet ihre Anhänger mit Ressentiments und Hass, teilt die Welt in Freund und Feind ein und droht Gegnern mit Vergeltung. Sie richtet sich gegen die Moderne, die Aufklärung, den Marxismus und die Juden und glorifiziert Militarismus und Opferbereitschaft bis in den Tod.


All diese Eigenschaften treffen auch auf den modernen Islamismus zu, der zeitgleich mit dem Faschismus in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden ist. Sowohl der Faschismus als auch der Islamismus sind aus einem Gefühl der Niederlage und Erniedrigung hervorgegangen. Beide Strömungen eint das Ziel, ein Imperium zu errichten – die Weltherrschaft als quasi verbrieftes Recht -, dem die totale Vernichtung seiner Feinde vorausgeht.


Die eine Bewegung glaubt an die Überlegenheit der arischen Rasse, die andere ist überzeugt von der moralischen Überlegenheit der Muslime gegenüber dem ungläubigen Rest der Menschheit."

Hamed Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 19


Zitat 2:

"Da, wo Faschisten, Kommunisten oder Islamisten die Macht übernahmen, verwandelten sich die Gesellschaften in Freiluftgefängnisse, deren »Insassen« die Bürger ständig überwacht wurden. Vielfalt wurde und wird als Gefahr betrachtet, ein gesellschaftlicher Konsens durch Gewalt und Einschüchterung künstlich erzwungen. Es gilt die eine, die einzig wahre Ideologie, Andersdenkende werden als Verräter und Nestbeschmutzer abgestempelt, im schlimmsten Fall liquidiert."

Hamed Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 25