• Hamed Abdel-Samad und FAGULON

Weintrauben statt Sex im „Pornotopia“?



Wenn man sich einige der etwas ausführlicheren und sensibleren Interviews mit inhaftierten ehemaligen IS-Kämpfern anschaut, wird man schnell bemerken, dass deren Kenntnis vom Koran nur eine naive, sehr oberflächliche ist. Sie beten einige Slogans nach, die ihnen in Schnellkursen eingetrichtert wurden. Die eigentliche Motivation besteht in der Aussicht auf Sex und dem hemmungslosem - weil durch Allah befohlenen - Ausleben von Mordlust. Der Sexualtrieb kann durch die Vergewaltigung von Sex-Sklaven im Rahmen des sexuellen Dschihad befriedigt werden, die Mordlust im grausamen Töten von "Ungläubigen" oder "Falschgläubigen", meist also von Shiiten. Aber es sind nicht nur diese irdischen Verheißungen, die Testosteron-gesteuerte junge Männer dazu bewegten, sich in Massen dem IS anzuschließen. Hinzu kam die Verheißung des himmlischen "Pornotopias", das jedem Märtyrer offen steht, der im Kampf für die "gerechte Sache Allahs" fällt oder ein Selbstmord-Attentat begeht. Allerdings dürften sie hier wohl eine Überraschung erleben, weil sich die Huris vermutlich als Weintrauben entpuppen werden. Hinzu kommt die sofortige Vergebung aller Sünden. Das ist ebenfalls attraktiv für junge Männer, die sich ihrer "sündigen" Vergangenheit in westlichen Ländern schämen und sich von allen höllischen Strafen durch den Märtyrertod befreien wollen.


Zitat 1

Wenn man die Passagen des Koran über Frauen liest, stellt man fest, dass die Frau nur ein Objekt ist, das eine gewisse Funktion in der muslimischen Gemeinde zu erfüllen hat: den Mann zu erleichtern. Bevor die IS-Kämpfer Jesidinnen und Christinnen als Sexsklavinnen erbeuten konnten, wurden junge Männer in Syrien damit angeworben, dass dort der Sex-Dschihad erlaubt sei. Umgekehrt bieten sich Musliminnen aus allen Ecken der Welt, vor allem aber aus Nordafrika, Dschihadisten an. Sunnitische Gelehrte, die den sexuellen Dschihad unterstützen, berufen sich auf den Propheten, der seinen Soldaten während langer Kriege erlaubte, »Genussehen« mit Frauen zu schließen, damit sie ihre sexuellen Gelüste ausleben konnten. Hier spielt die Frage nach der Moral keine Rolle, denn es geht um ein noch höheres Prinzip: den Dschihad. Es geht darum, den Kämpfer zu motivieren und seine Paradiesphantasien zu beflügeln.


Und wie sieht dieses Paradies aus? Es besteht aus einem himmlischen Bordell, in dem Frauen Märtyrern rund um die Uhr zu Diensten sind. Jedem Märtyrer stehen 72 Jungfrauen zu, dazu noch deren je siebzig Dienerinnen. Der mittelalterliche Theologe al-Suyuti schreibt: „Jedes Mal, wenn wir mit einer huri schlafen, verwandelt sie sich danach wieder in eine Jungfrau. Der Penis eines Muslims wird nie erschlaffen. Die Erektion hält ewig, und der Genuss bei der Vereinigung ist unendlich süß und nicht von dieser Welt. [...] Jeder Auserwählte wird siebzig huris haben neben seinen Frauen, die er auf der Erde hatte. Alle werden eine köstlich verlockende Vagina besitzen.“


Thomas Maul, Islamexperte und Autor, findet es erstaunlich, dass nicht die Vereinigung mit Allah, sondern der endlose Sex im himmlischen Bordell den Kern der islamischen Erlösungsphantasie ausmacht. Hauptmotiv des Paradieses sei die totale Entfesselung und Befriedigung des männlichen Sexualtriebes. Alle im Diesseits geltenden Tabus und Einschränkungen werden aufgehoben, jedoch nicht für Frauen, die auch im Paradies Objekte der männlichen Sexualität bleiben. Die allzeit einsatzbereiten Liebesdienerinnen profitieren nur insofern, als sie im Paradies von der Last der Periode, der Empfängnis und des Gebärens befreit sind. Wobei auch das eine zweischneidige Sache ist, können sie doch so dem sexhungrigen Mann uneingeschränkt zur Verfügung stehen in diesem von Gott perfekt vorbereiteten » Pornotopia«....




Zitat 2

Schließlich las ich die philologische Studie von Christoph Luxenberg über »Die syro-aramäische Lesart des Koran. Ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache«. Da Arabisch bis zum 7. Jahrhundert noch keine Schriftsprache war, geht Luxenberg davon aus, dass dem Koran eine Schrift in syroaramäischer Sprache als Kern vorlag. Er listet mehrere hundert Wörter auf, die aus dem Syro-Aramäischen stammen und oft von Koranexegeten falsch verstanden wurden. Darunter ist das Wort qur'an selbst, also Koran, das aus dem syrischen Wort qiryan stammt, was das Liturgiebuch bezeichnet, das die syrischen Christen in der Kirche für ihre Gebete in Mohameds Zeit benutzten.


Das berühmte Beispiel in Luxenbergs Buch ist das Wort huris, das im Koran für die Paradiesjung-frauen verwendet wird, die einem Gläubigen im Himmel zustehen. Im Syro-Aramäischen bedeutet es hingegen „weiße Trauben“. Nach dieser Lesart warten nicht schöne Frauen im Himmel auf den Märtyrer, sondern frische Früchte.


Zitat aus:

Mohamed, Ein Abrechnung, Hamed Abdel-Samad, Droemer-Verlag 2015, Seite 146-147 und 152