• Marc DeSargeau und FAGULON

Der neue Alltag: Die wahren Meinungen verstecken



"Genau wie im Sozialismus: Die Aktionen der Neo-Stalis erzeugen bei vielen Menschen ein Lebensgefühl, in dem sich Angst und Resignation angesichts offensichtlicher Machtlosigkeit verbinden

Aufgrund der Erfahrung, dass in den alten Strukturen der repräsentativen parlamentarischen Demokratie kaum wesentliche Veränderungen der Gesellschaft zu erwarten sind, setzt Resignation ein. Man erkennt die eigene Machtlosigkeit, weil der Wahltag die einzige Möglichkeit einer scheinbaren Mitbestimmung eröffnet. Da sich aber alle Parteien in der praktischen Politik bis zur Unkenntlichkeit angenähert haben und dann noch die meisten ihrer Ziele angesichts von Sachzwängen und Koalitionskompromissen über Bord werfen, ist das verständlich. Genauso war es auch im Sozialismus, die meisten Menschen glaubten, es würde sich ohnehin auf lange Sicht nichts ändern. Daraus ergab sich, man selbstverständlich eine ideologisch korrekte Maske trug und sich ansonsten auf die privaten und beruflichen Sphären konzentrierte. Bei den Publizisten und Schriftstellern wurden die Selbstzensur und der vorauseilende Gehorsam nicht nur eine existenzielle Notwendigkeit, sondern auch eine fast selbstverständliche Routine.


Genauso stellt sich die Situation derjenigen Menschen heute dar, die in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft radikale Veränderungen für notwendig halten. Allerdings sind trotz der Zensur- und Einschüchterungsmaßnahmen durch die Neo-Stalis im Internet noch so viele Formate erhalten geblieben, dass sich die aktivsten unter den Andersdenkenden austauschen können. Dass sich dort natürlich auch viele Wirrköpfe und Gernegroß-Aktivisten ausbreiten, lässt sich nicht vermeiden. Glücklicherweise hält sich das Ausmaß der Selbstzensur bei einigen journalistischen Plattformen in Grenzen, so dass dort gereifte und integre Persönlichkeiten ihre Ideen recht frei darstellen können.


Trotz aller Vorsicht und moderater Selbstzensur sind die Neo-Stalis jedoch einigen dieser Plattformen an die Gurgel gesprungen und haben sie ohne Vorwarnung oder Begründung komplett gelöscht. Da man sie in den USA nicht verklagen kann, weil sie nicht als Publikationsorgan gelten (was sie allerdings sind), haben sie wenig zu befürchten. In Deutschland kann man zwar gegen Löschungen klagen und ist zuweilen auch erfolgreich. Allerdings ist das ein kleiner Nadelstich, den diese großen Konzerne mit hämischem Grinsen ad absurdum führen. So treiben sie die Prozesskosten durch perfide Tricks in die Höhe, indem ihre Staranwälte bereits bei Kleinigkeiten 60-80 seitige Entgegnungen verfassen, die dann auch noch aus dem Englischen übersetzt werden müssen. So entstehen riesige Anwaltskosten, die kaum ein Zensur-Opfer stemmen kann. Also muss man auch hier zwangsläufig resignieren."


Zitat aus: https://www.fagulon.de/die-neo-stalis/teil-2/