• Norbert Bolz und FAGULON

Konditionierte Hilf- und Antriebslosigkeit durch den Sozialstaat


Die nachfolgenden Aussagen von Bolz sollten durch zwei Aspekte ergänzt werden. Erstens ist zu berücksichtigen, dass die Sozialindustrie in Deutschland die größte Zahl aller Beschäftigten hat. Zudem verfügt sie auch über die effektivste Lobby, weil ein großer Teil der Abgeordneten des Bundestages direkt oder indirekt mit ihr verbunden ist. Es geht also um Milliardenumsätze und hunderttausende Arbeitsplätze, wenn die Sozialfürsorge und Umverteilungsmaschine des Staates zurückgefahren wird.


Zweitens gewinnen die Aussagen von Bolz über die meist schamvoll verschwiegene erlernte Hilflosigkeit und Bequemlichkeit der Transferempfänger angesichts der Fluten von Migranten besondere Bedeutung. Die allermeisten von Ihnen lassen sich nicht oder nur sehr schwer und mit hohem Aufwand in die Arbeitswelt integrieren. Sie haben zudem die Erfahrung gemacht, dass sie durch Hartz-IV-Sätze so luxuriös und dauerhaft leben können, wie dies in ihrem Herkunftsland nie möglich gewesen wäre. Dies gilt inbesondere, wenn sie viele Kinder haben. Es gibt also kein Motiv, auf eigenen Beinen zu stehen.


Zitat:

"Der vorsorgende Sozialstaat operiert mit drei Kurzfehlschlüssen: er schließt von Ungleichheit auf Benachteiligung, von Benachteiligung auf soziale Ursachen und von sozialen Ursachen auf paternalistische Maßnahmen. Damit übernimmt er die Gesamtverantwortung für die moderne Gesellschaft. Auch als er noch nicht so hieß, hat der vorsorgende Sozialstaat die neuen Untertanen gezüchtet - die betreuten Menschen.


Der vorsorgende Sozialstaat operiert mit drei Kurzfehlschlüssen: er schließt von Ungleichheit auf Benachteiligung, von Benachteiligung auf soziale Ursachen und von sozialen Ursachen auf paternalistische Maßnahmen. Damit übernimmt er die Gesamtverantwortung für die moderne Gesellschaft. Auch als er noch nicht so hieß, hat der vorsorgende Sozialstaat die neuen Untertanen gezüchtet - die betreuten Menschen.


Sicherheit verdanken die meisten heute nicht mehr dem Gesetz, sondern der staatlichen Fürsorge. Im vorsorgenden Sozialstaat wird diese Daseinsfürsorge präventiv: Es wird geholfen, obwohl es gar keinen Bedarf gibt. Konkret funktioniert das so, dass die Betreuer den Fürsorgebedarf durch die Erfindung von Defiziten erzeugen. Der Wohlfahrtsstaat fördert also nicht die Bedürftigen, sondern die Sozialarbeiter.


Soziale Gerechtigkeit als Umverteilung sorgt für die politische Stabilisierung der Unmündigkeit; sie bringt den Menschen bei, sich hilflos zu fühlen. Bei wohlfahrtsstaatlichen Leistungen muss man nämlich damit rechnen, dass der Versuch, den Opfern zu helfen, das Verhalten reproduziert, das solche Opfer produziert. Wer lange wohlfahrtsstaatliche Leistungen bezieht, läuft Gefahr, eine Wohlfahrtsstaatsmentalität zu entwickeln; von Kindesbeinen an gewöhnt man sich daran, von staatlicher Unterstützung abzuhängen.


Und je länger man von wohlfahrtsstaatlichen Leistungen abhängig ist, desto unfähiger wird man, für sich selbst zu sorgen. Umverteilungspolitik reduziert also nicht die Armut, sondern die Kosten der Armut. Jede Transferleistung reduziert nämlich den Anreiz, die Armut durch eigene Produktivität zu überwinden. Mit anderen Worten: Die meisten politischen Hilfsprogramme ermutigen eine Lebensführung, die zur Armut führt."

Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, Wilhelm Fink Verlag, München, 2009, Seite 17