• Marc DeSargeau und FAGULON

Machtlos gegen Finanzjongleure


„Früher galt es als Scherz, wenn auf die Frage: "Wie wird Politik gemacht?" die Antwort gegeben wurde: "Genauso, wie sich das Klein-Fritzchen vorstellt!". Heute ist diese Antwort überholt. Sie muss nun lauten: "Genauso, wie es sich Klein-Fritzchen selbst in seinem simpelsten Kinderphantasien nicht vorstellen würde!"


Die eben noch so selbstsicheren Bankenbosse kamen von einem Tag zum anderen angesaust und erklärten der Regierungschefin hinter verschlossenen Türen - mit gleicher Verve, mit der sie vor Wochen noch die Stabilität ihrer Institute gelobt hatten - dass sie innerhalb einer Woche pleite sein werden, wenn der Staat nicht mit zweistelligen Milliardensummen als Garantie oder Einlage einspringt. Andernfalls würden natürlich das gesamte Bankensystem und damit auch ein Teil der Wirtschaft kollabieren. Der Schneeballeffekt eben - sie wissen schon ... Natürlich wissen alle, dass die gute Matrone schon lange im Treibsand strampelt und wie ihr Küchenkabinett nichts von den Pokerspielen der öligen Gesichter versteht. Allerdings ahnt die Regierungschefin nicht, dass die arroganten Bänker auch nur hohle Gefäße sind, die selbst kaum verstehen, was da eigentlich mit ihren Pokerspielen schief gelaufen ist. Wie viele von ihnen fast täglich erleben, haben diese Leute jedoch gelernt, die schillernd-seriöse Schale des Business-Chamäleons überzuziehen und beeindrucken damit nicht nur so schlichte Gemüter wie die der Matrone.


Nachdem der Staat eine Bande von Glücksspielern - natürlich organisiert in Form einer scheinbar seriösen Bank - in einer Nacht- und Nebelaktion mit Steuergeldern gerettet hatte, vergingen nur wenige Monate, bis deren Vorstand feststellte, dass der Buchhaltung ein "kleiner" Fehler unterlaufen war: Man hatte 50 Milliarden Euro versehentlich als Schulden und nicht als Guthaben verbucht. Da der Staat für die Verbindlichkeiten der Bank bürgte, reduzierten sich seine nominellen Schulden über Nacht um die gleiche Summe. Statt die Banker mit all ihren Helfern sofort in Untersuchungshaft zu nehmen und wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr dort bis zum Abschluss eines Prozesses in einigen Jahren gefangen zu halten, zeigten sich die Politiker und Staatsanwälte verständnisvoll. Die Nadelstreifen-Nieten kamen nur für einen Nachmittag nach Berlin, sagten "Sorry" und verschwanden hoch erhobenen Hauptes wieder in ihren Limousinen und Flugzeugen.“


Zitat aus: Marionetten, Neo-Stalis und Monsterwellen, Marc DeSargeau, FAGULON-Verlag 2021