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- Soziale Gerechtigkeit als undefinierter Religionsersatz
Auf tausenden Wahlplakaten und in ebenso vielen vorwurfsvollen und aufrüttelnden Artikeln und Reden wird die Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit erhoben. Allerdings stellt sich niemand der schwierigen Aufgabe zu definieren, was denn dieses heilige Wort eigentlich bedeutet. Man müsste sich nämlich dann auch den großen Unterschieden in Begabung, Fleiß und Ausdauer bei den Menschen zuwenden. Diese Eigenschaften sind in unserer Zeit die eigentliche Triebkraft der Entwicklung der Gesellschaft, wie uns die ostasiatischen Länder in beeindruckender Weise zeigen. Über die unausrottbare Ungerechtigkeit von überwiegend ererbter Begabung und charakterlicher Veranlagung wird aber der Mantel des politisch korrekten Schweigens gelegt. Man müsste zudem die Frage nach der individuellen Schuld für das Versagen oder das Zurückbleiben von Menschen auf ihrem Lebensweg stellen. Wo waren Faulheit, Leichtfertigkeit, Verantwortungslosigkeit u.ä. die eigentlichen Ursachen, obwohl die Gesellschaft und/oder Familie viele Hilfestellungen bereit hielt? Zudem wäre noch die Frage nach den Kriterien für individuelles Glück zu stellen. Hier entfernt man sich von den leicht messbaren Parametern wie Einkommen und Besitz und würde schnell feststellen, dass viele der "sozial Benachteiligten" in ihren persönlichen Lebensumständen viel glücklicher sind als die angeblich Privilegierten. Aus dieser Perspektive kehren sich die Verhältnisse schnell um. Ein gestresster Millionär, der nach der vierten Ehe und im schnellen Konkurrenzkampf des Marktes seelisch verschlissen ist, müsste also viel eher als sozial benachteiligt angesehen werden als der glückliche Familienvater mit einfachem Beruf und geringem Einkommen. Norbert Bolz sagt dazu Folgendes: Zitat: "Der Begriff der sozialen Gerechtigkeit markiert den Abschied von der liberalen Gesellschaft. Und es gibt heute kaum mehr Politiker, die nicht im Namen der sozialen Gerechtigkeit agieren. Niemand kann den Begriff definieren, aber gerade deshalb funktioniert er so gut als Flagge des Gutmenschen, als Chiffre für die richtigen moralischen Gefühle. In dieser Frage erlaubt sich unsere restlos aufgeklärte Gesellschaft eine letzte große Mystifikation, den Appell an ein unkommunizierbares Gefühl. Soziale Gerechtigkeit ersetzt das Heilige. Fast jeder erkennt ja Ungerechtigkeit, wenn er sie sieht oder erlebt, aber fast niemand kann sagen, was Gerechtigkeit ist. Die Theorie der Gerechtigkeit ist die negative Theologie des Rechts; auch die Jurisprudenz hat also ihren verborgenen Gott. Jede Gesellschaft sakralisiert ihre Gerechtigkeitsprinzipien - und wehrt sich deshalb gegen ihre Analyse. … Mehr Gleichheit durch Umverteilung scheint deshalb die selbstverständlichste politische Forderung zu sein, und tagtäglich findet sie in den Massenmedien Resonanz. Sie reduzieren uns Zuschauer, Hörer und Leser auf das bloße Erleben: Wir müssen zusehen, wie andere entscheiden, genießen und leiden. Und wenn andere entscheiden, werden wir zu Betroffenen. Wenn andere genießen, halten wir uns für benachteiligt. Wenn andere leiden, ist uns das unerträglich. Die Massenmedien zeigen täglich nicht nur den Armen den Reichtum des Westens, sondern auch uns Wohlstandsbürgern den Reichtum der Superreichen. Rasch zeigt sich da unsere Toleranz gegenüber dem Reichtum anderer überfordert. Bei der Wahrnehmung der Ungleichheit ist ja der Filter der Stände und Kasten weggefallen - jeder ist ein Mensch wie du und ich. Und das macht jede Ungleichheit tendenziell zum Skandal. Der soziale Vergleich erzeugt Neid und lässt die Erwartungen explodieren." Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, Wilhelm Fink Verlag, München, 2009, Seite 8
- Die drei Formen der Radikalisierung von Muslimen
Natürlich ist der Weg jedes radikalisierten Muslim ein individueller. Er wird neben den religiösen Regeln und Glaubenssätzen von seinen persönlichen Eigenschaften ebenso geprägt wie von seinem Umfeld und seinen Erfahrungen und Enttäuschungen. Zusätzlich spielen sicherlich Vorbilder ebenso so eine Rolle wie der Gruppenzwang, der entsteht, wenn man sich erst einmal in eine islamistische Gruppe begeben hat. Oft ist es dort genauso wie bei den kriminellen Straßengangs und Mafia-Organisationen: Wer einmal in diesen Kreis eingetreten ist, kommt kaum wieder heraus. Er gilt schnell als (potenzieller) Verräter und muss um sein Leben fürchten. Abdel-Samad hat versucht, in dieser komplexen Gemengelage von Motiven dennoch einige Strukturen zu finden, die immer wieder zu beobachten sind: Zitat: "In einer Studie, die ich 2006 über die Radikalisierung von jungen Muslimen in Deutschland veröffentlicht habe, unterscheide ich zwischen drei Formen dieser Radikalisierung: Da gibt es zunächst den archaischen Konservatismus, eine Tendenz, die häufig bei Migrantengruppen vorkommt, die aus ländlichen, patriarchalisch geprägten Regionen stammen, in denen der Bildungsstand niedrig ist und archaische Stammesgesetze angewendet werden. Diese Form des Konservatismus beruht nicht notwendigerweise auf religiösen Überzeugungen. Wohl aber wird die Religion häufig instrumentalisiert, um Ansichten und Handlungen zu rechtfertigen. Die Gewalt, die in dieser Atmosphäre entsteht, ist für gewöhnlich nicht gegen das Gastland gerichtet. Vielmehr geraten die » Abtrünnigen« dieser Diaspora-Gemeinschaft ins Visier. Sie werden Opfer vor allem familiärer Gewalt, weil sie angeblich den Ruf, die Integrität und Stabilität der Familie gefährden. Vor allem Frauen sind davon betroffen. Auswüchse dieser Form der Radikalisierung sind Ehrenmord und Zwangsheirat. Charakteristisch für diese Milieus sind Forderungen nach bedingungsloser Solidarität und strenge soziale und/oder moralische Kontrolle. Junge Menschen, die in schwachen sozialen Strukturen aufwachsen, sind besonders anfällig für eine Form der Radikalisierung, die ich als Eskapismus bezeichnen möchte. Hier ist weder die eigene Familie noch die Gastgesellschaft in der Lage, ein adäquates Lebensmodell anzubieten. Frustration, Ausgrenzung und mangelnde berufliche Perspektiven sind Gründe dafür, dass sich vor allem junge Männer zu Banden zusammenrotten und auf kurz oder lang kriminell oder gewalttätig werden. Die Gruppe gibt Halt, man ist jemand. Ob in Berlin-Neukölln, im Stadtviertel Nørrebro in Kopenhagen oder im schwedischen Malmö, ob in Brüssel, in Birmingham oder in der Banlieue von Paris - überall trifft man auf dieses Phänomen. Auch hier muss nicht unbedingt die Religion entscheidend sein, Hauptmotor ist oft die soziale Lage. Doch die Religion kann zu einem Faktor werden, wenn etwa Revierkämpfe ausgefochten werden. Wenn zum Beispiel türkische und marokkanische Jugendliche nicht mehr gegeneinander kämpfen, sondern sich gegen Russen oder Deutsche verbünden. Darüber hinaus gibt es den religiösen Avantgardismus. Die Avantgardisten halten generell Abstand zu traditionellen islamischen Vereinen und sehen sich als Vorreiter einer politisch-religiösen Revolution. Gerade diese Form scheint für arabische Studenten und deutsche Konvertiten besonders attraktiv zu sein. Haben sie sich erst einmal von ihrem familiären Milieu entfernt (biographische Wende), isolieren sie sich und werden so zu einer leichten Beute für radikale Gruppen. Wobei ich hier klar unterscheiden möchte zwischen dem Hang zu einer Islamisierung und den islamistischen Mobilmachungsaufrufen für den internationalen Dschihad. Unter den islamistischen Avantgardisten gab es früher zwei Gruppen, die kaum Kontakt zueinander hatten: Salafisten und Dschihadisten. Beide verstanden sich als elitär und rekrutierten junge Muslime vor allem aus der Mittelschicht, die als geistig gefestigt galten und über ein gutes Bildungsniveau verfügten. Salafisten waren früher apolitisch und zielten darauf ab, die muslimische Gesellschaft nicht durch politische Aktionen, sondern durch moralische Predigten zu verändern. „Die Politik ist schmutzig, haltet euch davon fern“, war ein salafistischer Grundsatz. Anders als die Dschihadisten grenzten sich Salafisten auch deutlicher von Gewalt ab. Diese Trennung von Salafisten und Dschihadisten gilt heute nicht mehr." Hamed Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 188 – 190
- Die Ablenkungs- und Reinigungsfunktion des Terrors
Der islamistische Terror in der arabischen Welt und im Westen hat sicherlich viele Quellen. Einige entspringen in dem fanatischen Glauben, als die "Hand Gottes" im Kampf gegen die Ungläubigen zu wirken. Andere werden meist übersehen. Dazu gehört auch das sogenannten "Herostratos-Motiv". Es wurde nach dem Brandstifter eines der großen antiken Tempel benannt. Er begründete seine Tat damit, dass auf diese Weise sein Name in der ganzen Geschichte der Menschheit bekannt bleiben würde. Diese Sehnsucht, aus einer kleinen unbedeutenden Existenz zu einer Berühmtheit in der ganzen Welt aufzusteigen, ist sicherlich ein wichtiges Motiv derjenigen, die als "lonely wolf" scheinbar ohne Vorwarnung schreckliche Attentate verüben. Die westlichen Medien befördern dieses Motiv in unverantwortlicher Weise. Statt Name und Bild des Verbrechers zu verschweigen, erscheint beides noch nach Jahren auf den Titelseiten. Weitere Motive beschreibt Abdel-Samad in seinem Buch: Zitat: "Vorgefertigte Verschwörungstheorien, gepaart mit größenwahnsinnigen Ideen, wie »der Feind« zu besiegen sei, schon geraten die Massen außer Rand und Band. Es ist viel einfacher, sich auf einen angeblichen Feind von außen oder eine bestimmte Gruppe einer Gesellschaft zu konzentrieren, als über die vielschichtigen selbstverschuldeten Probleme im eigenen Land nachzudenken. Es ist viel einfacher, sich über zwei eingestürzte Türme in der Ferne zu freuen, als sich darüber aufzuregen, dass im eigenen Land Millionen von Straßenkindern kein Dach über dem Kopf haben. Die Probleme in vielen arabischen Ländern sind so gravierend, dass man gar nicht mehr weiß, wo beginnen. Und der Feind ist im Unterricht in der Schule, in Predigten in den Moscheen und in den Medien so allgegenwärtig, dass man an ihm nicht vorbeikommt. Osama Bin Laden und seine al-Qaida speisen ihren Mythos aus drei Quellen: der historisch dauergekränkten Seele der islamischen Welt, dem unbegründeten universellen Machtanspruch des Islam und den ewig sprudelnden Petro-Dollars, die Ausdruck von Wohlstand ohne Produktion sind. Mohamed Atta und die 18 übrigen Attentäter sind Kinder einer Generation, die im eigenen Land konservativ erzogen wurde, dort und im Westen den Verführungen der Moderne erlegen ist, die verbotenen Früchte gekostet und danach ein schlechtes Gewissen bekommen hat. Ihr Hass auf Amerika war so groß, dass sie bereit waren, sich selbst und Tausende Unschuldiger in die Luft zu jagen, um Amerika weh zu tun." Hamad Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 125
- Lüge und Täuschung im Dienste Allahs
In der politischen Diskussion über den Iran stellt sich immer wieder die Frage des Vertrauens: Kann man dem Iran vertrauen, wenn er behauptet, keine Kämpfer und Waffen die umliegenden Länder (Palästina, Libanon, Jemen, Syrien u.a.) zu entsenden? Kann man glauben, dass die Houthis ganz allein in der Lage waren, hochpräzise Raketen auf die saudischen Ölraffinierien abzuschießen und die Luftabwehr zu unterlaufen? Kann man den iranischen Versicherungen hinsichtlich ihres Desinteresses am Bau von Atombomben glauben? Die richtige Antwort darauf ist wohl fast immer "Nein". Das ergibt sich auch aus einer Besonderheit des muslimischen Glaubens, die besonders bei den Shiiten seit Beginn der Abspaltung vom sunnitischen Islam etabliert ist. Im Westen ist sie fast unbekannt. Hamad Abdel-Samad erklärt das so: Zitat: "Das arabische Wort Taquiyya bedeutet „Vorsicht“ oder „Furcht“ und bezeichnet im schiitischen Islam die Erlaubnis, bei einer großen Bedrohung des eigenen Glauben zu verheimlichen. Das Prinzip stammt aus den ersten Jahren des Islam, als Muslime noch eine schwache Minderheit in Mekka waren. Ihnen war es erlaubt, rituelle Aufgaben zu vernachlässigen, ihren Glauben zu verbergen oder auch zu leugnen, um sich vor den übrigen Mekkanern zu schützen. ……. Der Islam war bald sehr erfolgreich mit seinen Eroberungen, und die Muslime bildeten rasch die Mehrheit oder stellten zumindest die Herrschaftselite in den eroberten Gebieten, somit war die Verstellung und das Leugnen des eigenen Glaubens nicht mehr notwendig. Anders war es bei den Schiiten, die sich wenige Jahre nach dem Tod Mohameds abspalteten. Sie waren es, die das Prinzip tagīyya einst prägten, als Selbstschutzmaßnahme, um sich vor Verfolgung zu schützen. Einem Schiiten war es demnach erlaubt, seine konfessionellen Ansichten zu verbergen, um sein Leben zu schützen. Man durfte sich verstellen, lügen oder andere täuschen, um von sich und seiner Familie Gefahren abzuwenden. Ayatollah Khomeini erweiterte dieses Prinzip und erlaubte seinen Anhängern, sich als Atheisten zu geben, um Zugang zum Verwaltungsapparat des Schahs zu bekommen und das System zu unterwandern. Khomemi schreibt: »Sollten die Umstände der taqiyya einen von uns veranlasst haben, sich dem Gefolge der Machthaber anzuschließen, dann ist es seine Pflicht, davon abzulassen, es sei denn, seine rein formale Teilnahme brächte einen echten Sieg für den Islam.« Auch in der Frühphase der Revolution verbarg er mit Hilfe dieses Prinzips seine Absichten und führte Linke und Bürgerliche damit in die Irre, bis er alle Zügel an sich gerissen hatte. Dabei hätte jeder wissen können: In seiner Schrift „Der islamische Staat“ hat er alles bestens dargelegt.…. Heute wird der iranischen Führung übrigens im Zusammenhang mit dem Atomprogramm taqiyya vorgeworfen, da sie gebetsmühlenartig von einer rein friedlichen Nutzung der Atomenergie redet. Der Begriff taqiyya wird auch in der Islamkritik immer wieder verwendet, aus meiner Sicht oft übertrieben und inflationär. Da werden alle Muslime, ungeachtet ihrer ideologischen Ausrichtung, als Lügner dargestellt, die ihre wahren Absichten verbergen würden, bis sie Europa erobert haben. Man kann nicht alle Muslime über einen Kamm scheren. Tut man es doch, ist dies eher Ausdruck von Paranoia. Wer 1,5 Milliarden Muslimen vorwirft, die identischen Absichten und Ziele zu verfolgen, gehorcht dem gleichen Denkmuster wie ein Islamist, der glaubt, der gesamte Westen denke in identischen Schablonen und verfolge ein einziges Ziel- nämlich das, den Islam zu vernichten." Hamad Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 158 und 159
- Extreme Doppelstandards beim Sex im Islam
Neben der für westliche Augen mittelalterlich anmutenden Komplettverhüllung muslimischer Frauen und Mädchen steht der sexuelle Dschihad, der die Vergewaltigung und Versklavung von weiblichen "Ungläubigen" als gottgefälliges Handeln beschreibt. Der Gegensatz zwischen beidem konnte nicht größer sein. Neben der verbrecherischen Seite dieses Handelns ist auch dessen absurde Doppelmoral hervorzuheben. Würde eine europäische Frau zwangsweise (Gruppen- und Familienzwang ist ein besonders wirksamer Zwang) schwarz verpackt zu dauerhafter Gebär- und Versorgungsdienstleistung gezwungen werden, könnte man noch monatelang den empörten Aufschrei von Frauenrechtlerinnen und Gender-Professorinnen hören. Bei islamischen Frauen in Europa gelten all die großen Werte und Verfassungsgrundsätze des Westens plötzlich nicht mehr. Also ist nicht nur die islamische Welt, sondern auch die "politisch korrekte" westliche Öffentlichkeit durch absurde Doppelstandards und scheinheilige Moral gekennzeichnet. Zitat 1: "Denn nicht nur die Männer des Stammes sollten vernichtet werden, auch die Gebärmütter ihrer Frauen sollten erobert werden. Dabei geht es nicht nur um den »Genuss« des muslimischen Eroberers oder um eine weitere Erniedrigung der Feinde, sondern um die Fortpflanzung des Islam im wahrsten Sinne des Wortes. Die Vergewaltigung wird mythisch überhöht und legitimiert - auch der Feind trägt nun dazu bei, die Gefolgschaft zu vergrößern. … Frauen als Kriegsbeute zu nehmen, war keineswegs eine Erfindung Mohameds. In der modernen Welt gilt diese Praxis längst als ein Kriegsverbrechen. Nur militante Islamisten betrachten diesen sexuellen Dschihad nach wie vor als »gute islamische Tradition«, etwa wenn sie christliche Dörfer im Irak oder in Syrien überfallen. Eine ungläubige Frau zu vergewaltigen und dabei vielleicht sogar zu schwängern gilt als Kampf für die Sache Gottes. Hamed Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 133 Eine aus westlicher Sicht besonders absurde Doppelmoral hat sich im schiitischen Iran erneut als religiös und gesellschaftlich akzeptierter Standard etabliert. Es handelt sich um die legale Prostitution mit Trauschein. Zitat 2: "Im Iran wird eine Frau zum Tod durch Steinigung verurteilt, wenn sie mit einem Mann schläft, den sie liebt, mit dem sie aber nicht verheiratet ist. Würde sie ihren Körper jede Woche einem anderen Mann anbieten, hätte zuvor aber einen religiösen Kurzzeitehevertrag geschlossen, würde sie als gottesfürchtige Schiitin gelten. Denn diese Praxis erfolgt durch einen religiösen Ehevertrag. Der Mann kann täglich durch einen derartigen Vertrag Sex mit unterschiedlichen Frauen haben, ohne die Grenzen des Islam zu verlassen. Im Islam geht es nicht um die Liebe zwischen Mann und Frau. Die Ehe ist ein vertraglich geregeltes Modell, in dem Mann und Frau bestimmte Rechte und Pflichten haben, die der Staat bestimmt und überwacht. Sinn und Zweck einer Ehe ist einzig die Fortpflanzung des Islam. Alles, was jenseits der staatlichen Kontrolle geschieht oder sich ihr entzieht, gilt als Gefahr und wird hart bestraft. Säureattacken auf unverschleierte Frauen, Genitalverstümmelung bis hin zu Ehrenmorden und Steinigungen sind weitere Formen von Frauenfeindlichkeit in muslimisch geprägten Gesellschaften. Es sind Ausdrucksformen der Angst vor der weiblichen Emotion und Unabhängigkeit. Eine Angst, die zur Tugend deklariert wird. Genau wie die Ur-Angst des Faschismus, dass die Feinde der Nation sie von außen angreifen, während die Abtrünnigen das Land von innen verraten. Stellt man sich den Realitäten in der islamischen Welt, so sieht man viel Elend und Doppelmoral im Umgang mit der Sexualität. Nirgendwo gibt es so viele Operationen zur Rekonstruktion des Hymens wie im islamischen Raum. Jeder kennt diese Tatsache, aber keiner will sie anerkennen. In den Ländern, wo die Tabuisierung der Sexualität am strengsten ist, wie in Afghanistan, im Iran und in Ägypten, erreicht die sexuelle Belästigung von Frauen auf offener Straße inzwischen unerträgliche Dimensionen. Islamisten werben junge Männer für den Dschihad in Syrien damit an, dass dort der Sex-Dschihad erlaubt sei." Hamed Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 137 und 138
- Das Pornotopia des Paradieses
Wie sich bei den Kämpfern des IS gezeigt hat, sind die meisten der fanatischen jungen Kämpfer nur mit ein paar Schlagworten der islamischen Theologie vertraut. Sie sind lebenslang von Frauen ferngehalten worden und vermutlich randvoll mit geilen Fantasien. Auf diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, wenn das Pornotopia des Paradieses eine große Anziehungskraft ausübt. Der Märtyrertod wird dadurch etwas sehr Erstrebenswertes. Auf diesem Hintergrund gewinnt auch der trotzige Slogan von islamistischen Kämpfern "Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod!" eine nachvollziehbare Bedeutung. Zitat 1: "In Sure 9 motiviert Gott die Muslime zum Kampf für seine Sache: »Allah hat von den Gläubigen ihr Leben und ihr Gut für das Paradies erkauft: Sie kämpfen für Allahs Sache, sie töten und werden getötet [...]. So freut euch eures Handels, den ihr mit ihm geschlossen habt; denn dies ist wahrlich die große Glückseligkeit.« Aber wie sieht dieses Paradies eigentlich aus? Es scheint direkt dem Traum eines Mannes aus der Wüste entsprungen zu sein: mildes Klima, weder zu große Hitze noch Kälte. Schattige Gärten, in denen gemütliche Liegen stehen, Flüsse aus klarem Wasser und aus Wein, der weder Kopfschmerzen verursacht noch berauscht. Jungfrauen in seidigen Gewändern, die kaum ihre großen Brüste bedecken, und Eunuchen, die den Gläubigen unablässig Früchte, Geflügel und Weinkrüge reichen. Die huris, wie die Paradiesjungfrauen genannt werden, beschreibt der Koran als »wohlverwahrte Perlen«. Der Philologe Christoph Luxenberg sieht hier einen Übersetzungsfehler und weist darauf hin, dass das Wort huri aus dem Syroaramäischen stammt und »weiße Trauben« bedeutet. Über die Zahl der »Trauben« oder »Perlen«, die einem Märtyrer im Paradies zustehen, schweigt sich der Koran indes aus. Doch in den Hadithen, also den außerkoranischen Aussagen des Propheten, gibt es mehrere Erwähnungen des Märtyrer-Lohns in Höhe von 72 Jungfrauen. Jede Paradiesjungfrau hat ihrerseits siebzig schöne Dienerinnen, die ebenfalls dem Märtyrer zur Verfügung stehen. So gesehen bekommt ein Gotteskrieger insgesamt 5040 Frauen als Belohnung dafür, dass er im Kampf gegen die Ungläubigen gefallen ist. Hamed Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 129 Eine zusätzliche Verführung des Paradieses besteht in der Eliminierung von zwei körperlichen Beschränkungen, welche die sexuelle Lust des Mannes auf Erden einschränken. Durch das Versprechen einer Dauererektion und nicht nachlassender Geilheit wird das männliche Problem eliminiert. Durch die dauernde Jungfräulichkeit der Huris entfällt zudem die schnelle Verwandlung einer jungen Ehefrau in eine rundliche Vielgebärende. Auch wird der muslimische Fetisch der Entjungferung in endloser Folge bedient. Zitat 2: "Bei der Beschreibung der Jungfrauen und des sexuellen Genusses, in den die Märtyrer kommen werden, ließen islamische Kommentatoren ihren Phantasien freien Lauf. Das, was in ihren Büchern über den paradiesischen Koitus steht, könnte heute kein Autor in der arabischen Welt mehr veröffentlichen, ohne dass das Werk umgehend von der Zensurbehörde als pornographisch eingestuft würde. So schreibt der mittelalterliche Theologe al-Suyuti: »Jedes Mal wenn wir mit einer huri schlafen, verwandelt sie sich danach wieder in eine Jungfrau. Der Penis eines Muslim wird nie erschlaffen. Die Erektion hält ewig, und der Genuss bei der Vereinigung ist unendlich süß und nicht von dieser Welt. [...] Jeder Auserwählte wird siebzig huris haben neben seinen Frauen, die er auf der Erde hatte. Alle werden eine köstlich verlockende Vagina besitzen.« Thomas Maul, Islamexperte und Autor, findet es erstaunlich, dass nicht die Vereinigung mit Allah, sondern der endlose Sex im himmlischen Bordell den Kern der islamischen Erlösungsphantasie ausmacht. Hauptmotiv des Paradieses sei die totale Entfesselung und Befriedigung des männlichen Sexualtriebes. Alle im Diesseits geltenden Tabus und Einschränkungen werden aufgehoben, jedoch nicht für Frauen, die auch im Paradies Objekte der männlichen Sexualität bleiben. Die allzeit einsatzbereiten Liebesdienerinnen profitieren nur insofern, als sie im Paradies von der Last der Periode, der Empfängnis und des Gebärens befreit sind." Hamed Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 130
- Im Islam und Faschismus: Glaube, Gehorsam und Kampf
Die Ähnlichkeiten zwischen dem traditionellen und radikalen Islam und den "atheistischen Religionen", also Faschismus und Kommunismus, sind frappierend und setzten sich aus den immer gleichen drei Elementen zusammen. Die Grundlage für alles ist der allein selig machende Glaube. Durch seinen Absolutheitsanspruch werden Abweichungen nicht nur als falsch und verderblich, sondern als feindlich qualifiziert. Zitat 1: "Die Idee, dass es nur einen Gott gibt, der uns geschaffen hat, der alles bestimmt, was mit uns geschieht, der uns vierundzwanzig Stunden am Tag beobachtet, der unsere Gedanken und Träume kennt, der unser Leben mit Geboten und Verboten kontrolliert und uns bei Verfehlungen mit Höllenqualen bestraft – diese Idee ist der Ursprung der Ursprung der religiösen Diktatur, die wiederum Vorbild für alle anderen Diktaturen ist. In jeder Diktatur gibt es jemanden, der Zugang zur absoluten Wahrheit hat, der den Menschen den Weg dorthin weist und von ihnen als Gegenleistung verlangt, ihre Individualität und ihren gesunden Menschenverstand aufzugeben und ihm als Inhaber dieser absoluten Wahrheit bedingungslos zu folgen. Die Erlangung des Heils ist nur durch die Beschreitung dieses einen Wegs möglich. Alle anderen Wege führen in die Irre und ins Verderben." Hamad Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 61 Auf der Basis dieses absoluten und alles andere als feindlich und eigentlich nicht lebenswert darstellenden Glaubens kann eine Überwertigkeit der Gläubigen (vergleichbar mit den arischen NSDAP-Mitgliedern oder den guten KP-Genossen) postuliert werden. Diese erhöht das kleine Individuum bis hin zu mörderischem Größenwahn und rauschhaften Massenexzessen. Die Kristallnacht der Nazis und die Proteste gegen Mohammed-Karrikaturen unterscheiden sich in dieser Hinsicht kaum. Zitat 2: "Ähnlich wie im Faschismus misst Maududi der Opferbereitschaft der Muslime einen hohen Stellenwert zu. Qutb folgt Maududis Aufruf: „Wenn ihr an die Richtigkeit des Islam glaubt, bleibt euch nichts anderes übrig, als eure ganze Kraft einzusetzen, um sie auf Erden vorherrschen zu lassen. Entweder ihr schafft dies, oder ihr opfert euer Leben in diesem Kampf.“ Ein Aufruf in dem die ewige Attraktivität des Dschihad für junge Muslime begründet ist. Denn durch den Dschihad kann ein junger Muslim seine Ohnmacht und Hilflosigkeit überwinden. Im Kampf kann er entweder siegen und Gottes Willen auf Erden vollstrecken, oder er wird im Kampf fallen und mit dem ewigen Paradies belohnt. Eine Win-win-Situation sozusagen." Hamad Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 76 Auf diesem Hintergrund ist es töricht, von einem Islam auszugehen, der sich "säkularisiert" und der modernen westlichen Gesellschaft anpasst, wie dies beim protestantischen Christentum geschehen ist. Das Gegenteil ist in den letzten Jahrzehnten eingetreten. Ägypten, viele arabische Länder, die Türkei, der Iran und die erste Generation der Gastarbeiter in Deutschland waren vor einigen Jahrzehnten noch sehr liberal. Man konnte auf den Straßen kaum einen Unterschied zu Europa feststellen. Der Islam spielte nur eine dekorative Rolle. Nachdem sich aber die Hoffnung auf (sozialistische) Demokratien verflüchtigt hatte und die arabischen Diktaturen immer brutaler wurden, entsann man sich des mittelalterlichen Islam. Das gab Halt und ein Überlegenheitsgefühl, erzeugte aber auch ein neues Gefängnis, welches man nun auch in den westlichen Ghettos besichtigen kann. Der Dschihad ist eine der Konsequenzen. Zitat 3: "Es kommt immer wieder vor, dass der Dschihad-Virus von einigen Muslimen relativiert wird. Man redet vom »kleinen Dschihad« und meint damit den bewaffneten Kampf gegen die Feinde des Islam; oder vom »großen Dschihad«, dem »Sichabmühen auf dem Weg zu Gott«. Man sollte sich hiervon nicht täuschen lassen. Der Dschihad, wie ihn der Prophet verstanden und praktiziert hat, ist das eigentliche Problem. Die koranische Aufteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige ist das Problem. Die Unantastbarkeit des Propheten und des Koran ist das Problem. Die Bildung, die sich vom Propheten und vom Koran nicht lösen kann, ist das Problem. Der Dschihad als Selbstzweck ist das Problem. Denn der Kampf wird erst kam Ende aller Tage aufhören." Hamad Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 128
- Islam und Faschismus: Verwandte politische Religionen?
Der Islamwissenschaftler und Buchautor Hamad Adbel-Samad wuchs in einem kleinen ägyptischen Dorf auf. Dort lernte er - wie viele andere - den Koran auswendig. Es war der einzige Lerninhalt der Dorfschule. Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland und dem Studium veränderte sich seine Sicht auf die unumstößlichen, weil angeblich göttlichen Gebote des Koran. Er legte nahezu revolutionäre Bücher vor, von denen die Analyse der historischen Gestalt des heiligen Propheten Mohammed das Aufregendste war. Seine Ansichten über die Quellen des Islam und den Propheten und über den darauf basierenden Allmachtsanspruch der "Rechtgläubigen" werden von vielen anderen Autoren geteilt und z.T. erheblich erweitert. (z.B. "Im Schatten des Schwertes" von Tom Holland). Er muss sich nun ständig verstecken und durch Personenschutz von Mordanschlägen schützen. Sein Mut ist bemerkenswert und seine Stimme verdient Gehör, besonders weil man seine Analysen in der offiziellen Politik gern verschweigt. Zitat 1: "Der Faschismus ist eine Art »politische Religion«. Seine Anhänger glauben, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Ganz oben in der Hierarchie steht der charismatische unfehlbare Führer, der mit einem heiligen Auftrag ausgestattet ist, um die Nation zu einen und die Feinde zu besiegen. Die faschistische Ideologie vergiftet ihre Anhänger mit Ressentiments und Hass, teilt die Welt in Freund und Feind ein und droht Gegnern mit Vergeltung. Sie richtet sich gegen die Moderne, die Aufklärung, den Marxismus und die Juden und glorifiziert Militarismus und Opferbereitschaft bis in den Tod. All diese Eigenschaften treffen auch auf den modernen Islamismus zu, der zeitgleich mit dem Faschismus in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden ist. Sowohl der Faschismus als auch der Islamismus sind aus einem Gefühl der Niederlage und Erniedrigung hervorgegangen. Beide Strömungen eint das Ziel, ein Imperium zu errichten – die Weltherrschaft als quasi verbrieftes Recht -, dem die totale Vernichtung seiner Feinde vorausgeht. Die eine Bewegung glaubt an die Überlegenheit der arischen Rasse, die andere ist überzeugt von der moralischen Überlegenheit der Muslime gegenüber dem ungläubigen Rest der Menschheit." Hamed Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 19 Zitat 2: "Da, wo Faschisten, Kommunisten oder Islamisten die Macht übernahmen, verwandelten sich die Gesellschaften in Freiluftgefängnisse, deren »Insassen« die Bürger ständig überwacht wurden. Vielfalt wurde und wird als Gefahr betrachtet, ein gesellschaftlicher Konsens durch Gewalt und Einschüchterung künstlich erzwungen. Es gilt die eine, die einzig wahre Ideologie, Andersdenkende werden als Verräter und Nestbeschmutzer abgestempelt, im schlimmsten Fall liquidiert." Hamed Abdel-Samad, Der islamische Faschismus, Eine Analyse, Droemer Verlag, 2014, Seite 25
- Durchschnitts-IQ korreliert mit den PISA-Tests
Wenn der kultur-unabhängig gemessene Intelligenzquotient in verschiedenen Ländern und Regionen der Welt deutlich verschieden ist, dann sollte sich dies auch in den Lernleistungen der Schüler widerspiegeln, wie sie z.B. mit dem PISA Test gemessen werden, wenn Intelligenz wirklich zu großen Teilen erblich ist. Wäre hingegen die schulische Ausbildung in der Lage, die scheinbare Abhängigkeit von der ererbten Intelligenz zu überwinden, dann dürften zwischen beiden Parametern keine signifikanten Korrelationen zu finden sein. In diesem Fall hätten diejenigen Recht, die der Meinung sind, dass es hauptsächlich auf die Ausbildung geistiger Fähigkeiten ankommt und deren biologische "Hardware" nahezu keine Rolle spielt. Die von Zimmer gefundenen Analysen sprechen nicht für die letztgenannte Annahme: Zitat: "Wie ähnlich genau sind PISA- und IQ-Tests? Wie hoch korrelieren die nationalen Schulleistungstests mit Lynns Länder-IQs? Die Heterogenität und teilweise Fragwürdigkeit des Datenmaterials, auf denen die Länder-IQs beruhten, ließ zumindest gelegentliche größere Abweichungen zwischen PISA- und IQ-Werten erwarten, selbst wenn beide Tests tatsächlich das mehr oder minder Gleiche messen sollten. Wenn sie hoch korrelierten, würde das die Länder-IQs bestätigen - es wäre geradezu deren förmliche Validierung, ihre Überprüfung an einem unabhängigen Maßstab von hoher Integrität. Lynn rechnete PISA- und TIMSS-Punkte auf eine Skala um, wie sie für IQ-Tests benutzt wird, kombinierte sie zu einem «Bildungsquotienten» (BQ), verglich diesen mit IQ und verkündete 2010: «Der Korrelationskoeffizient zwischen Bildungsquotient und IQ beträgt in den 86 Ländern, wo für beides Messdaten vorlagen, 0.917 ... Diese Korrelation (ist] bemerkenswert hoch... Sie unterscheidet sich kaum von den Korrelationen zwischen zwei verschiedenen IQ-Tests oder zwei verschiedenen Schulleistungstests im selben Land Differenz zwischen dem Bildungs- und dem Intelligenzkoeffizienten beträgt 3,27 Punkte... (Hervorhebung: FAGULON) Das beseitigt jeden Zweifel, dass (unser) Länder-IQ ein gültiges Maß für das kognitive Leistungsniveau in dem betreffenden Land ist ... "Die hohe Korrelation zwischen IQ und BQ zeigt, dass diese beiden Maße nicht etwa zwei im Übrigen unabhängige „Entwicklungsindikatoren“ sind, sondern dass Intelligenz- und Schulleistungstests das gleiche oder fast das gleiche Konstrukt messen." Mithin könnten Schulleistungstests, für die aus einer Vielzahl von Ländern Daten in Hülle und Fülle vorliegen, unfreiwillig als hervorragende Indikatoren für die biometrische Intelligenz dienen. « Sag mir dein PISA-Ergebnis, und ich sage dir auf drei Punkte genau deinen IQ.» Oder umgekehrt. Wahrscheinlich wollten die Verantwortlichen ihr PISA-Projekt genau vor diesem Verdacht schützen, wohlweislich – er hätte sie mitten in die Debatte um die Erblichkeit des IQ geraten lassen und ihnen ihre ohnehin mühevolle Arbeit noch schwerer gemacht. Die Meinungsverschiedenheit zwischen dem PISA-Konsortium einerseits und Psychologen wie Rindermann und Lynn läuft zugespitzt auf eine Henne-Ei-Frage hinaus: Machen gute Schulleistungen intelligenter, oder führt höhere Intelligenz zu besseren Schulleistungen? Baumerts Trost, die «wissensabhängigen Komponenten der Intelligenz» seien «plastisch» umgeht jedenfalls die entscheidende Frage. Gewiss sind sie plastisch, aber die Frage ist ja gerade: wie plastisch? Kann jeder seine Intelligenz durch Wissenserwerb beliebig erhöhen? Oder setzt das Maß an « Reasoning», das jedem mitgegeben ist, dem Wissenserwerb Grenzen? Die menschliche Lernfähigkeit, die sich im IQ ausdrückt, ist nicht unbegrenzt. Irgendwo stößt jede Wissensvermittlung an individuelle Grenzen. Wie jeder Pädagoge nur allzu gut weiß. Wie jeder weiß, der sich selber einigermaßen kritisch beobachtet." Zitat aus: Dieter E. Zimmer, Ist Intelligenz erblich? Eine Klarstellung, Rowohlt-Verlag, 2012, Seite 216 und 217
- IQ-Vergleich zwischen Regionen der Welt
Bei aller berechtigten Kritik des Intelligenzquotienten (IQ) hat sich dieser doch als stark korrelierend mit dem Ausbildungs- und Berufserfolg von Menschen in praktisch allen Ländern der Erde erwiesen. Hinzu kommen natürlich auch kulturelle Traditionen und Normen, besonders hinsichtlich von Fleiß, Disziplin, Achtung vor Regeln und vorausschauende Lebens- und Karriereplanung. Hier gibt es - unabhängig vom IQ - ja riesige Unterschiede, z.B. zwischen Asien und Afrika. Dennoch sind die regionalen Durchschnitts-IQ-Werte, besonders, wenn sie kulturneutral gemessen wurden, aufschlussreich. Zimmer macht hierzu die nachfolgend zitierten Aussagen. Diese werden bei denjenigen, die immer noch daran glauben, dass alle anderen Merkmale des Körpers erblich sind, nicht aber die rationale Intelligenz, schäumende Empörung auslösen. Als Begründung der Ablehnung solcher Daten werden vermutlich die gleichen Argumente herangezogen werden, dies bereits bei der sehr umfangreichen Studie "The Bell Curve" von Herrstein und Murray geschehen ist. Zitat: "Hier folgt ein Auszug aus einer Liste dieser 185 Staaten die von Hongkong bis Aquatorial-Guinea reicht und in der Deutschland an 17. Stelle steht, nahezu gleichauf mit allen seinen Nachbarländern. Getestet wurde vorwiegend mit «kulturneutralen“ britischen Tests, die auf den Mittelwert 100 geeicht waren. Bei länger zurückliegenden Tests wurde der Flynn-Effekt eingerechnet. Alle Zahlen verstehen sich also relativ zum britischen Durchschnitt - der britische IQ wurde deshalb auch schon «Greenwich-IQ» genannt. Die Rangfolge sollte allerdings nicht allzu wörtlich genommen werden. Das zugrunde liegende Zahlenmaterial war von unterschiedlicher Qualität. Es wurde an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Tests gewonnen; zuweilen beruhten die nationalen Durchschnittswerte auf Tausenden von Testergebnissen, zuweilen nur auf ein paar Dutzend; manchmal ging es um Erwachsene, manchmal um Kinder; meist bleibt unklar, ob es sich um Stadt-oder Landbewohner handelt und welcher Sozialschicht die Getesteten angehörten; manchmal wurde gar nur eine Handvoll Exilanten getestet. Kurz, es ist unbekannt, wie repräsentativ die Samples waren, deren Ergebnisse hier ganze Staaten vertreten müssen. Umso erstaunlicher: Ethnisch ähnliche, teilweise unter stark divergierenden politischen Verhältnissen lebende Nachbarstaaten lagen so nahe beieinander, dass man geradezu einen großflächig eingefärbten IQ-Globus entwerfen kann: Ostasien 104 bis 108 IQ-Punkte, Europa, Nordamerika, Australien, Neuseeland 90 bis 102, Süd- und Südwestasien sowie Nordafrika 81 bis 90, Südostasien und Ozeanien 84 bis 87, Lateinamerika und Karibik 78 bis 96, Afrika südlich der Sahara unter 80. In der Liste sind nur einige jener 104 Staaten vertreten, für die echte Messwerte vorlagen. Die jeweils erste Zahl ist die aus dem Jahr 2006, die zweite die aus 2002; für 41 Länder gab es 2010 ergänzende Daten und Korrekturen. Lynns Bücher sind in deutschen Bibliotheken schwer zu finden; sie gelten hierzulande wohl als Schmuddelware. Die vollständigen Listen aber sind, samt Kritik, in der englischen Wikipedia nachzulesen." Zitat aus: Dieter E. Zimmer, Ist Intelligenz erblich? Eine Klarstellung, Rowohlt-Verlag, 2012, Seite 208 und 209
- Drei Viertel der kognitiven Fähigkeiten sind ererbt
Spätestens seit der Erwähnung der Erblichkeit von Intelligenz im Buch "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin ist dieses -langen unterdrückte - Thema immer wieder Gegenstand heftiger Debatten. Erneut taucht es im Zusammenhang mit den Migrantenfluten aus Afrika und dem Nahen Osten auf. Dabei stehen sich zwei Auffassungen gegenüber: Die einen sind der Meinung, dass jeder bei ausreichender Ausbildung zu gleichen kognitiven Fähigkeiten gelangen kann und verdammen andere Ansichten als rassistisch. Die Nazi-Keule wird dabei gern geschwungen. Die anderen verweisen auf die wissenschaftlichen Daten, die das Gegenteil belegen. Dazu gehört auch der Wissenschaftsjournalist Dieter Zimmer. Sein Buch wurde durch die hysterische Diskussion über Sarrazins angeblich rassistische Aussagen zur Erblichkeit der Intelligenz angeregt. Er konnte soviel Ignoranz der Fakten einfach nicht ertragen und musste sich äußern. Die überzeugendsten Ergebnisse zur Frage der Erblichkeit von Intelligenz und anderen Eigenschaften stammen aus der Analyse früh getrennter eineiiger Zwillinge und sprechen eine eindeutige Sprache. Dabei muss auch der Einfluss der Epigenetik - also die Veränderung Regulation der Genablesung im Lauf des Lebens - berücksichtigt werden. Würde dieser Prozess nicht mit zunehmendem Alter immer stärker werden, wäre die Ähnlichkeit noch viel größer. Zitat: "Die MZ-Studie von Minneapolis war damit die erste und einzige seit 1965. Die maßgebliche Veröffentlichung ihrer Ergebnisse stand 1990 in der Zeitschrift Science." Sie wertete die 330 eineiigen Zwillingspaare aus, die das Projekt bis dahin durchlaufen hatten, 56 getrennt und 274 zusammen aufgewachsene. Dass das mehr waren als in jeder der vorhergehenden Studien, war nicht ihr einziger Vorzug. Auch die Aussagekraft des Samples war höher, denn die MZA-Paare waren wesentlich früher getrennt worden (im Durchschnitt mit fünf, nicht erst mit 18 Monaten), auch wesentlich später wieder vereint (im Durchschnitt nach 30 Jahren, nicht schon mit 12) und früher nach ihrer Begegnung untersucht (nicht im Schnitt 25, sondern nur acht Jahre später). Was herauskam, waren Korrelationen und mit ihnen Erblichkeitsschätzungen für viele physische und psychische Merkmale, vom Körpergewicht über den Blutdruck und die beruflichen Interessen bis zur Religiosität. Hier soll nur die eine interessieren: die des IQ. Die Erblichkeit des IQ, so errechneten Bouchard und seine Mitarbeiter, betrage um die 75 Prozent, 0.75 in anderer Schreibweise. (Eine spätere Neuanalyse aller 126 getrennt aufgewachsenen Zwillingspaare, die zwischen 1979 und 2000 in Minneapolis untersucht wurden, korrigierte die Erblichkeit der kognitiven Grundfähigkeit, des g-Faktors, auf 0.77.") 75 oder 77 Prozent: Das heißt, dass in der untersuchten Gruppe von Erwachsenen die individuellen IQ-Unterschiede zu drei Vierteln auf die Gene (genauer: auf unterschiedliche Allele der für den IQ relevanten Gene) und zu einem Viertel auf nicht genetische Einflüsse zurückzuführen waren. Die Zahl deckte sich fast perfekt mit den drei vorangegangenen MZA-Studien. Insofern hatte der ganze Aufwand in dieser Hinsicht nichts Neues gebracht. Aber er hatte die alten Resultate überzeugend untermauert. Die Zwillingspaare, die zusammen aufgewachsen waren, müssten auch die meisten Umwelteinflüsse gemein gehabt haben, sie müssten sich also insgesamt ähnlicher sein. Das waren sie auch, aber der Unterschied war bescheiden. Beim Wechsler-IQ-Test betrug die Interkorrelation der MZA 0.69, der MZT 0.88. Wenn eineiige Zwillinge Kindheit und Jugend in der gleichen Familie verbringen, erhöht das die Korrelation ihres IQ um o.19. 19 Prozent - das war dann alles in allem der Beitrag der gleichen Familienumwelt zu ihrer Ähnlichkeit. Nebenbei machten solche Zahlen von neuem klar: dass eineiige Zwillinge trotz ihrer genetischen Identität in keinem einzigen phänotypischen Merkmal je völlig übereinstimmen - ob sie nun zusammen aufwachsen oder getrennt. Nie kommt es vor, dass die Korrelation schlicht 1 beträgt." Zitat aus: Dieter E. Zimmer, Ist Intelligenz erblich? Eine Klarstellung, Rowohlt-Verlag, 2012, Seite 49 und 50
- Wie China Afrika leise erobert
Während die westlichen Länder mit rund 50 Mrd. Euro jährlich seit langem vergeblich versuchen, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Afrikas voranzubringen, geht China einen anderen Weg. Sie lassen sich nicht von den afrikanischen Kleptokratien und ihren westlichen Beratern durch wohlklingende Konzepte Geld aus der Tasche ziehen, was dann auf Schweizer Konten landet. Die Chinesen erobern Afrika leise durch riesige Investitionen und deren Umsetzung durch eigene Leute. Die Afrikaner sind dabei gelegentlich Hilfskräfte. So entstehen autarke chinesische Wirtschaftsinseln. Ob die Machthaber brutal oder inkompetent sind, interessiert die Chinesen nicht: Sie müssen nur stillhalten. Das tun sie auch, wenn noch ein wenig Geld für sie abfällt. Zudem müssen sie sich nicht genervt die Moralpredigten der westlichen Entwicklungshelfer oder Kreditgeber anhören. All dies macht sie sehr kooperativ. Gunnar Heinsohn hat erklärt, warum es den Chinesen so einfach gelingt, riesige Mengen von Arbeitskräften nach Afrika und in andere Regionen zu entsenden: Zitat: "Als zusätzlicher demografischer Nachteil Chinas gilt sein Männerüberschuss aufgrund von höheren Abtreibungsraten für weibliche Föten oder gar durch Tötung weiblicher Neugeborener. Das Abendland ruht auf zwei jüdischen und zwei griechischen Pfeilern. Vom Judentum kommen Lebensheiligkeit und Eingottglaube, von den Griechen Eigentum und Einehe. Diese Prinzipien bestimmen auch das Völkerrecht und sind insofern heute für die gesamte Menschheit gültig. In China jedoch wird das Kindestötungsverbot erst im Ehegesetz von 1950 allgemeines Recht. Unter dem Regime der Einkindpolitik kommt dann die uralte Praxis wieder blutig zum Durchbruch. Weil das Verbot so jung ist, mag seine Tabuisierung weniger ausgeprägt sein als in Europa. Von den überzähligen jungen Männern wird Schwermütigkeit oder Aggression aufgrund des Fehlens potenzieller Ehefrauen erwartet. Realiter führt die Situation jedoch dazu, dass China jederzeit aus rund 15 Millionen Männern zwischen 25 und 40 Jahren (1 Million von jährlich ca. 16,5 Millionen Neugeborenen bis 2017) erwartungsfreudige Teams vom Ingenieur bis zum Vorarbeiter für den Einsatz in der Fremde gewinnen kann. Rund 600 000 überwiegend männliche Chinesen sind allein in Afrika aktiv. Sie können also Gewinne machen und Lebensfreude gewinnen, wo Europäide mangels Personals gar nicht erst antreten. Die Geschlechterdisparität ist mithin nicht ausschließlich eine Belastung, sondern zugleich ein Pfund, mit dem gewuchert werden kann. Das gilt selbstverständlich auch fürs Militär." Zitat aus: Gunnar Heinsohn, Wettkampf um die Klugen. Kompetenz, Bildung und die Wohlfahrt der Nationen. Orell Füssli Verlag, 2019, Seite 75











